LEYLA PIEDAYESH

Gründerin & Creative Director

„In meinem Leben bin ich nicht darauf vorbereitet worden, eine Unternehmerin zu sein“

Der Satz „I am an Immigrant“ prangte in großen Lettern auf einem Schild, das sie zu ihrer Catwalk-Show 2017 in Copenhagen hochhielt – ein klares Zeichen gegen den Immigration-Ban des US Präsidenten. Leyla Piedayesh macht nicht einfach nur Mode, ihr liegt auch die Botschaft am Herzen. Den Spruch des Schildes druckte sie auf T-Shirts, der Erlös ging an eine Hilfsorganisation für Geflüchtete. Aber es war auch eine Abwandlung des berühmten Palituchs, das die gebürtige Iranerin in den Fokus der Modewelt rückte. Bunte Farben und auffällige Musterkombinationen wurden zum Markenzeichen ihres eigenen Labels Lala Berlin. Für sie war es eine Erinnerung an ihre Heimat, den Orient. Denn Piedayesh kam als Neunjährige nach Deutschland, weil ihre Eltern aus dem Iran fliehen mussten. Sie studierte Betriebswirtschaft, arbeitete später in der Medienbranche. Mit Mitte 30 fand sie den Mut, der Leidenschaft nachzugehen, die sie faszinierte - die Mode.

Heute ist Lala Berlin ist aus der deutschen Modeszene nicht mehr wegzudenken. Was die Gründerin und Kreativdirektorin antreibt, welchen Lieblingsort sie in Berlin hat und wie sie entspannen kann, verrät Piedayesh im MOVES-Interview.

HER WAY

WIE BIST DU ZU DEM GEWORDEN, WAS DU HEUTE BIST?

Leyla Piedayesh: Ich bin zur Mode gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Ich habe meine Karriere als Journalistin aufgegeben, und erstmal überlegt, was mir Spaß machen könnte. Also habe ich angefangen zu stricken. Und den Leuten gefiel das, was ich gestrickt habe. Dann hat mir meine Freundin Anita Tillmann einen Stand auf ihrer Messe, der Premium in Berlin, geschenkt, wo ich dann ausgestellt habe. Und ich habe Orders geschrieben – aus Japan, aus den USA, aus Deutschland. Danach dachte ich: „Jetzt eroberst du die Welt.“ Natürlich lernt man dann auch, dass es nicht immer so einfach ist. In meinem Leben bin ich nicht darauf vorbereitet worden, eine Unternehmerin zu sein. Aber am Anfang fällt man da rein, intuitiv. Man weiß, was man Schritt für Schritt zu tun hat.

WAS WÜRDEST DU DEINEM JUNGEN ICH RATEN, WENN DU HEUTE NOCHMAL ANFANGEN KÖNNTEST?

Leyla Piedayesh: Man kann die Zeiten gar nicht mehr miteinander vergleichen – nicht nur am Geschmack der Zeit. Auch das Kaufverhalten, die Digitalisierung , wir leben heute in einer anderen Ära. Trotzdem – gewisse Dinge ändern sich nicht. Deswegen würde ich raten: Überfordere dich nicht. Fang klein an, wachse organisch. Und hol dir wirklich gute Leute. Nicht irgendwelche Berater, sondern viel mehr Partner, welche dir mit Rat und Tat zu Seite stehen.

WIE SIEHT DEIN ALLTAG AUS?

Leyla Piedayesh: Ich versuche, meinen Alltag so gut es geht nach meiner Tochter zu richten, um die Zeit mit ihr zu maximieren. Wir stehen gemeinsam auf, essen Frühstück und ich begleite sie in die Schule, obwohl ihr das mittlerweile manchmal auch fast peinlich ist. Wenn ich die Zeit habe, mache ich im Anschluss Yoga. Dann bin ich bereit für Meetings – meistens Design, Marketing, Produktion oder Finance.

ES IST DER ALLTAG, IN DEM MAN IDEEN HAT.

HER SELF

DEIN LABEL GIBT ES SEIT MITTLERWEILE 15 JAHREN. WIE FINDEST DU IMMER WIEDER NEUE INSPIRATION?

Leyla Piedayesh: Inspiration ist für mich etwas Impulsives. Diese Impulse werden bei mir durch ganz Verschiedenes ausgelöst – das kann die Pose eines Mädchens sein, eine Farbe, die ich an einem Gebäude sehe, etwas am Handy oder in einem Magazin. Auch ganz alltägliche Gespräche können mich inspirieren. Es ist eine unrealistische Vorstellung, dass man einen gesetzten Ideenraum hat, in dem einem alles einfällt. Für mich ist es ist der Alltag, in dem man Ideen entwickelt.

WIE VIEL ZEIT VERBRINGST DU TÄGLICH ONLINE?

Leyla Piedayesh: Ich versuche so wenig wie möglich online zu sein. Darum habe ich ein paar Apps einfach weggeschoben, ganz weit nach hinten auf den Screen, damit ich nicht in Versuchung komme. Mittlerweile ist es für mich aber auch eine Sache der Etikette geworden zu reagieren, Leuten Feedback zu geben. In dieser Sache muss ich etwas strenger mit mir sein - wenn ich mich gerade mit etwas nicht beschäftigen kann, versuche ich das wenigstens zu kommunizieren.

HER MOVES

WIE KANNST DU ENTSPANNEN? HAST DU AN EINEN LIEBLINGSORT?

Leyla Piedayesh: Ich spiele Backgammon. Oder meditiere, wenn ich dazu komme. Am Wochenende fahre ich meistens ins Umland von Berlin. Das bringt mich runter, dort stoppt die Zeit um mich herum. Wenn man Glück hat, gibt es dort auch kein Netz. Das heißt, die Kinder können sich auch nicht ablenken, weil sie andauernd aufs Handy schauen. Man versucht einen Ausgleich zum lebendigen Leben in Berlin zu finden. Für mich ist es Erholung, wenn ich meinen Urlaub in meinem Haus verbringen kann, statt in einer Stadt rumzurennen, zu schwitzen und Sightseeing zu machen.

WIE BEWEGST DU DICH IN BERLIN FORT?

Leyla Piedayesh: Meistens mit dem Auto. Ich fahre einen 20 Jahre alten VW Polo. So lange der nicht auseinander fällt, werde ich den nicht austauschen. Warum sollte ich?

HAST DU EINEN LIEBLINGSORT IN BERLIN?

Leyla Piedayesh: Mein Zuhause. Das liebe ich am meisten, wenn ich auf meiner Terrasse bin und über die Dächer von Berlin schaue. Das ist mein Zufluchtsort.

HER STYLE

WAS IST DER TYPISCHE LEYLA-STIL, FÜR DEIN LABEL UND FÜR DICH?

Leyla Piedayesh: Typisch für den Look von Lala-Berlin ist Layering, also mehrere Teile übereinander zu kombinieren. Aber auch der leicht maskuline Touch, ein Bruch zwischen Männern und Frauen. Mit viel Leichtigkeit. Mein eigener Look ist aber eher androgyn. Der Rollkragen bis oben an die Spitze getragen, das Hemd am besten auch zugeknöpft. Ich liebe aber auch die feminine Ausstrahlung und Rundungen, die ein weiblicher Körper mit sich bringt – ich habe gemerkt, dass ich das in letzter Zeit auch sehr gerne in meinen Kollektionen betone.

THANK YOU LEYLA

Credit: Lala Berlin

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