CYNDIE ALLEMANN

Moderatorin & Rennfahrerin

"Es gab oft Momente, in denen ich alles hinschmeißen wollte"

In der Regel ist sie es, die die Fragen stellt. Denn die Schweizerin Cyndie Allemann liebt das Leben auf der Rennstrecke - früher selbst als Fahrerin, heute als Moderatorin für Automagazine im Fernsehen. Dabei gibt es so viele Gründe, warum die 32-Jährige heute nicht da sein sollte, wo sie steht. Denn eigentlich war ihr Bruder in Kindertagen immer besser auf der Rennstrecke und sowieso ist der Motorsport noch dem Klischee verschrieben, dass es Frauen dort schwerer haben. Und vielleicht könnte jemand meinen, ihr sympathischer französisch-schweizerischer Akzent wäre gar nicht passend für die Arbeit vor der Kamera? Das alles widerlegt Cyndie Allemann, nicht nur in diesem Interview. Denn im Gespräch über ihre Karriere wird klar, dass es bei ihr nicht um verbissenen Ehrgeiz geht, sondern um Optimismus und echte Freude am Leben und am Motorsport.

HER WAY

Eine Frau und Rennen fahren. Heute ist das nach wie vor keine übliche Kombination. Wie kam es zu deiner Karriere?

Cyndie Allemann: Ich bin mein ganzes Leben Rennfahrerin gewesen. Dabei wollte ich gar nie mit dem Autofahren anfangen. Mein Vater ist Go-Kart gefahren (Anm. Kurt Allemann ist ehemaliger Schweizer Kart Champion), mein älterer Bruder hat auch angefangen als er fünf Jahre alt war. Ich wollte aber viel lieber Motorrad fahren. Als ich fünf Jahre alt war, wollte mir mein Vater allerdings keines kaufen. Weil ich zu verrückt war, sagte er. Also habe ich doch das Kartfahren versucht. Und ich war wirklich sehr schlecht! Als ich angefangen habe, hat mein Bruder mich zwei Mal überrundet in einem Rennen. Katastrophal.

Cindy Allemann

Was hat dich motiviert, weiter zu machen?

Cyndie Allemann: Ich hatte Spaß. Ich habe in meinem Helm gesungen, oder habe die Vögel auf der Seite beobachtet während der Fahrt. Ich war glücklich damit. Aber plötzlich, ich war so acht Jahre alt, habe ich kapiert, wie es funktioniert. Es war wie ein On-Off-Schalter und auf einmal war ich Top 5 auf der Rennstrecke. Keiner konnte glauben, wie schnell ich war und dass das wirklich ich war, die da gefahren ist.

War es ein Vorbild, das Üben oder das Vertrauen in dich selbst, was hat den Schalter bei dir umgelegt?

Cyndie Allemann: Bei mir hat es einfach ein bisschen gedauert. Vielleicht war ich im Kopf auch noch nicht so weit. Du bist ein Kind und denkst nicht so weit. Man kann kein Kind zwingen, einen Sport zu machen. Du fährst Kart, weil es dir Spaß macht. Ich habe nicht gedacht, dass ich mal Profi-Rennfahrerin werde. Meine Eltern haben mir nie Druck gemacht. Der kam erst, als ich mit 13 die Europameisterschaft gewonnen habe. Denn niemand hat das erwartet. Als der Sprung dann vom Kart zum Auto fahren ging, habe ich mir vorgenommen: „Du machst, was du kannst“. Und so habe mir auch selbst keinen Druck gemacht.

„Als Kind habe ich in meinem Helm gesungen“

Wenn du damals nicht ins Kart gestiegen wärst, was würdest du dann heute machen?

Cyndie Allemann: Ich liebe Sport, ich war kein ruhiges Kind. Ich bin viel geschwommen und habe Leichtathletik gemacht. Bestimmt wäre ich im Sport geblieben. Ich habe mir aber immer gedacht: „Alles kommt, wie es kommen soll“ und habe mir nicht den Kopf über meine Zukunft zerbrochen. Das war mehr meine Mentalität als zu Träumen. Denn wenn man träumt und dann wieder landet, tut es weh.

Also ist Bodenständigkeit mehr deins, als große Träume?

Cyndie Allemann: Ja genau. Nicht zu viel erwarten. Es ist schön ein Ziel zu haben - aber was kommt, das kommt. Ich wollte einfach immer weiter machen und vielleicht bis zur Formel 1 zu kommen. Das habe ich nicht geschafft, aber das ist in Ordnung. Denn ich habe so viel erlebt.

Denn in der Formel 1 fährt seit 26 Jahren keine Frau mit. Wie war es allgemein für dich, dich in einem Männersport durch zu setzen?

Cyndie Allemann: Für mich war das nie ein Problem. Ich war immer viel von Kerlen umgeben. Ab und zu bin ich selbst zum Macho geworden. Da erstaune ich mich selbst, dass ich auf einmal auch solche Sprüche sage.

Wie zum Beispiel?

Cyndie Allemann: Wenn eine Frau langsam auf der Autobahn fährt, sage ich: „Klar, muss das eine Frau sein, die links fährt und nicht Gas gibt.“ (lacht)

HER STYLE

Auch an dem Look deines Helms oder Autos kann man manchmal auf der Rennstrecke erkennen, dass es dein Stil ist. Wie hast du das durchgesetzt?

Cyndie Allemann: Wenn ich mit meinem Designer gesprochen habe, habe ich gesagt, dass ich meine Farben Grau und Rosa - zum Beispiel beim Helm - kombiniert sehen möchte. Den Rest durfte dann aber er entscheiden, denn schließlich ist er der Designer und ich vertraue ihm.

Wie würdest du deinen eigenen Modestil beschreiben?

Cyndie Allemann: Ich stehe nicht auf die neuesten Modetrends. Ich bin eher sportlich. Aber es ist immer ein Touch von Farbe dabei, denn ich bin eine fröhliche Person und das kann man auch dann meiner Kleidung oder auch in der Einrichtung meiner Wohnung sehen. Ich liebe Pink und Orange einfach.

Abgesehen von den Autos auf der Rennstrecke: Gibt es ein Auto, das dir nachhaltig immer in Erinnerung bleiben wird?

Cyndie Allemann: Ein alter Porsche 911 ist für mich ein zeitloses, schönes Auto. Als Kind habe ich manchmal so einen auf der Straße gesehen. Und das Auto hat mich damals schon fasziniert.

Jetzt hast du selbst ein Kind. Dein Sohn ist bald ein halbes Jahr alt. Nach deiner Karriere hast du dich entschieden, eine Familie zu gründen. Wie hast du die Entscheidung getroffen?

Cyndie Allemann: In den letzten Jahren hatte ich schon Lust ein Kind zu bekommen. Mit 32 ist es in Ordnung, ich hätte aber auch schon früher mit 28 oder 29 anfangen können. Denn ich hatte den richtigen Partner, die Situation hat gepasst. Aber ich wollte mit meiner Arbeit noch weiterkommen. Ich wusste, dass ich mich noch steigern wollte. Zum Beispiel als die Moderation bei „Grip“ angefangen hat. Ich wollte den Moment genießen und habe noch ein paar Jahre Vollgas gegeben. Aber irgendwann reist du 365 Tage im Jahr und du kannst nicht alles machen. Man muss sich entscheiden. Deswegen habe ich das mit den Rennen langsam reduziert.

HER MOVES

Zwischen Trainings, Rennen und Reisen. Wie hast du deinen Freund kennengelernt?

Cyndie Allemann: Ich habe ein Go-Kart-Geschäft mit meinem Bruder und dadurch haben wir uns in der Go-Kart-Welt kennengelernt. Wir teilen also die Leidenschaft für Autorennen.

Fährt er so gerne Auto wie du? Denn beruflich musstest du so viel fahren, machst du es dann in der Freizeit auch noch gerne?

Cyndie Allemann: Ich muss sagen, dass mein Freund auf der Straße besser Auto fährt als ich. Ich bin auf der Strecke eine sehr gute Fahrerin, aber ich lasse mich privat sehr gerne fahren. Vielleicht weil ich so verwöhnt bin, aber auf der Straße macht es mir nicht so viel Spaß.

Und auf Reisen?

Cyndie Allemann: Da reise ich am liebsten mit dem Wohnwagen. Du kannst alles selbst entscheiden. Du hast keine festen Zeiten für Frühstück oder so etwas, wie in einem Hotel. Du hast deine Ruhe. Du hast keine anderen Gäste. Es ist diese Ruhe, die mich entspannt. Das waren die besten Urlaube, die ich bisher gemacht hab. Zum Beispiel nach Italien.

Wie kam dann der Sprung von der Rennstrecke dazu, dass du Moderatorin geworden bist?

Cyndie Allemann: Das hatte ich mir nicht überlegt, die Chance ist zu mir gekommen. Ich habe eine Email bekommen, dass ich zum Casting eingeladen bin. Sie haben eine Profi-Rennfahrerin gesucht und wollten testen, wie ich vor der Kamera wirke. Das war bei Sport 1. Als die Produktion zu Ende war, hat sich „Grip“ bei mir gemeldet.

Gab es einen Moment, der alles verändert hat? Einen Wendepunkt im Leben?

Cyndie Allemann: Nicht nur einen. Mein Leben hat sich immer wieder verändert, deswegen gab es so viele Wendepunkte.

Was bedeutet es für dich, wenn jemand sagt, dass du erfolgreich bist? Cyndie Allemann: Es freut mich natürlich. Das ist wie eine Belohnung für meine harte Arbeit. Weil die Leute sehen, was dahinter steckt. Und wenn du dann mit dir selbst zufrieden bist, läuft alles andere auch.

Hattest du ein Vorbild?

Cyndie Allemann: Valentino Rossi. Der Mann hat immer gute Laune und wenn du ihn siehst, bekommst du auch gute Laune. Ich wollte so sein wie er.

HER SELF

Hast du wirklich immer gute Laune?

Cyndie Allemann: Ich habe auch meine Momente, ich bleibe eine Frau. Aber ich versuche immer, das Leben mit einem Lachen zu nehmen. Warum sind wir sonst auf der Welt, wenn wir nicht glücklich sind?

Neben einer positiven Stimmung, wie hältst du dich körperlich und mental fit? Denn Rennsport ist sehr anstrengend für den Körper.

Cyndie Allemann: Ich bin keine Maschine. Und ich war aber auch nie ein Partygirl, deswegen habe ich mich immer ganz auf den Sport konzentrieren können. Aber wenn ich merke, dass ich krank werde, dann versuche ich, viel zu schlafen. Besonders seitdem ich Mutter bin, habe ich gelernt, mit sehr wenig Schlaf fit zu sein. Außerdem nehme ich Vitamin C, versuche gesund zu leben und esse viel Gemüse. Auch wenn ich als Schweizerin natürlich jeden Tag etwas Schokolade brauche.

Du arbeitest auf der Rennstrecke auch als Coach. Wenn eine junge Frau heute Rennfahrerin werden möchte, welchen Tipp würdest du ihr mit auf den Weg geben?

Cyndie Allemann: Es geht in erster Linie ums Fahren. Du musst viel trainieren um besser zu werden. Aber es ist nach wie vor schwierig, Rennfahrerin zu werden. Wenn du den Druck von den anderen Jungs nicht aushalten kannst oder auch ihre blöden Sprüche, kann es manchmal unangenehm sein. Mich hat das nie gestört, weil ich mich selbst oft wie ein Junge gefühlt habe. Du musst einfach Vertrauen in dich haben und immer an dich glauben. Es gab oft Momente, in denen ich alles hinschmeißen wollte. Weil der Druck zu groß wurde, weil man Sponsoren finden muss und ich habe viel geweint. Aber dann wachst du morgens auf und entschließt dich, dass du weitermachen willst. Meine Mutter hat mich immer aufgemuntert und war für mich da. Aber egal was die Leute sagen oder von dir halten, hör nicht auf und schau nicht auf die Seite. Sondern fahr weiter nach vorne, so lange du Spaß daran hast.

Würdest du rückblickend etwas anders machen? Wenn du deinem jungen Ich einen Tipp geben könntest?

Cyndie Allemann: Ich bin sehr stolz auf das, was ich geschafft habe. Aber wenn ich etwas ändern könnte, würde ich mit 17 oder 18 Jahren, als es mit dem Selbstbewusstsein besonders wichtig ist, mehr mit dem Kopf arbeiten. Ich würde mir einen Coach nehmen, der das mit mir trainiert und würde das mehr pushen. Denn das macht viel aus, denn es ist so ein harter Sport auf einem hohen Niveau.

THANK YOU CINDY

Credit: Cyndie Allemann

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