LEA RIEK

Unternehmerin

Alleine mit dem Motorrad um die Welt

Den Job kündigen und einfach losfahren? Klingt wie der Beginn eines Aussteigerfilms, ist aber tatsächlich die Geschichte der Münchnerin Lea Rieck. Sie ging ohne jegliche Vorkenntnisse in eine Werkstatt, kaufte sich ihr Motorrad und wollte die Welt bereisen. Allein.

Nun ist die heute 32-Jährige zurück in ihrer Heimat und veröffentlichte ihr Buch: „Sag dem Abenteuer, ich komme“. Alles über ihre Reise zu sich selbst, ihre Weltumrundung und welche Lektionen sie gelernt hat, verrät sie im Interview mit MOVES.

HER WAY

Wie hast du mit deinem Business gestartet?

Lea Rieck: Ich hatte einen tollen Job bei einem großen Verlag – einer dieser Jobs, die von vielen als „Traumjob“ bezeichnet werden. Irgendwann war mir das aber nicht mehr genug und ich wollte nicht mehr neben trockenen Büropflanzen sitzen, sondern echte Erde und echten Regen erleben. Das war der Moment in dem ich beschlossen habe: Ich mache die Weltreise mit dem Motorrad. Es war viel weniger ein Weglaufen als die große Neugierde, die mich getrieben hat. Um auf so eine lange Reise alleine zu gehen sollte man auch nicht vor irgendwas flüchten, sondern mit sich einigermaßen im Reinen sein – das ewige Motiv der Selbstfindung halte ich für ein hartnäckiges Gerücht. Ganz im Gegenteil kommt das Selbst bei allem was auf Reisen da draußen los ist oft ein bisschen kurz – und gerade das tut sehr gut. Wenn man immer nur mit sich selbst beschäftigt ist, kann man nur sehr schlecht von anderen lernen.

Was waren die größten Herausforderungen, denen du dich stellen musstest?

Lea Rieck: Die größte Herausforderung war nicht auf die Menschen zu hören, die mir gesagt haben: „ Du kannst das nicht alleine als Frau, das ist zu gefährlich, du weißt zu wenig, du fährst zu schlecht Motorrad um so eine Reise zu machen.“ Das hat auch am meisten Mut gekostet, es dann einfach trotzdem zu wagen. Aber dabei habe ich gelernt: Der Zeitpunkt um etwas Neues auszuprobieren ist der, den man sich selbst aussucht, nicht der, den jemand anderes für richtig hält. Im Moment ist die größte Herausforderung für mich die Dinge zu verinnerlichen, die ich auf dieser Reise gelernt habe: Auch einmal „Nein“ zu sagen, trotz turbulentem Arbeitsalltag genug Zeit für die Unternehmungen und die Menschen zu haben, die ich liebe. Das ist das Wichtigste, weil das die Dinge sind, die bleiben.

DER ZEITPUNKT UM ETWAS NEUES AUSZUPROBIEREN IST DER, DEN MAN SICH AUSSUCHT, NICHT DER, DEN JEMAND ANDERES FÜR RICHTIG HÄLT

HER MOVES

Welcher Ort auf der Welt hat dich am meisten beeindruckt?

Lea Rieck: Orte, die ich schon 100 mal auf Instagram gesehen habe, rufen in mir kein tiefes Erstaunen hervor. Die größten Überraschungen waren deswegen für mich die Orte, von denen ich nicht so viel erwartet habe oder sogar großen Respekt hatte. Pakistan war eines dieser Länder, da es damals noch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts gab und ich Angst um meine Sicherheit hatte. Sich sicher fühlen ist ja ein sehr subjektives Gefühl – trotzdem bin ich dort nichts anderem begegnet als 8000 Meter hohen Bergen, umwerfenden Natur, und freundlichen Einheimischen, die mich zum Tee eingeladen haben. In die Region reisen seit 9/11 kaum mehr westliche Touristen – trotzdem betreiben dort noch viele der Einheimischen ihre Hotels, obwohl sie damit kaum überleben können. Sie haben mir beigebracht an mich und meine Träume zu glauben. Und das in einem Land, von dem ich anfangs durch das Bild der Medien nur das schlechteste geglaubt habe.

Ist jemals aus einer Reise- oder Alltagsbekanntschaft ein Businesskontakt geworden?

Lea Rieck: Vor der Reise habe ich mich immer gefragt, ob ich nach so einer langen Zeit wieder dorthin zurück kann, wo ich beruflich gestoppt bin. Das Spannende war: Das Reisen und die Bekanntschaften, die ich unterwegs gemacht habe, haben mir ganz neue Perspektiven und Türen eröffnet. Jeder einzelne Mensch, den ich getroffen habe, hat die Richtung ein bisschen mit beeinflusst, die ich eingeschlagen habe. Wie verrückt ist es, dass ich ein Buch geschrieben habe, das auf der Spiegel-Bestsellerliste stand oder gerade einen Vortrag über alles, was ich von den Begegnungen unterwegs gelernt habe, vor 1000 Menschen gehalten habe? Das wäre ohne diese Reise und die Menschen, die ich getroffen habe, und die mich dazu gebracht haben, über diese Begegnungen zu schreiben, nicht passiert.

HER STYLE

Klar, bei einer Reise geht es wenig um Mode. Dennoch sind du und dein rotes Kleid immer aufgefallen und dein Instagramaccount strahlt damit förmlich. Welchen Packtipp hättest du gerne bekommen, als du deine Reise gestartet hast?

Lea Rieck: „Nimm nicht so viele Socken mit!“ Obwohl ich wusste, dass man immer zu viel mitnimmt, bin ich mit viel zu schwerem Gepäck gestartet. Innerhalb einer Woche habe ich die Hälfte wieder nach Hause geschickt und auch nie etwas vermisst. Obwohl man aus manchen Fehlern auch einfach selbst lernen muss.

Was würdest du der nächsten Generation gern ansonsten mitgeben?

Lea Rieck: Es gibt nur einen Tipp, den ich gerne weitergeben möchte: Wenn du deinen Traum verwirklichen willst, dann probier ihn aus! Manche Träume sind in der Realität nämlich gar nicht so gut wie in unserem Kopf. Wenn man zum Beispiel eine Reise um die Welt alleine machen will, dann kann man auch erstmal mit einem kurzen Tripp alleine anfange, wenn man davor noch nie alleine gereist ist. Und wenn man dann feststellt, dass der Traum einem noch immer gefällt: Dann mit vollen Ressourcen in die Verwirklichung stürzen. Fallen kann man immer, aber wenn man steht, dann hat man wahrscheinlich eine unbezahlbare Lektion gelernt.

HER SELF

Wie kannst du dich entspannen?

Lea Rieck: Ich kann beim Motorradfahren entspannen. Wenn man in Argentinien auf einer 3000 Kilometer langen Straße geradeaus ans „Ende der Welt“ fährt und mit sich alleine ist und teilweise tagelang nicht redet, dann ist das für mich entspannender als jede Meditation oder Schweigekloster.

Jetzt, da du zurück bist. Was lässt dich morgens aus dem Bett aufspringen?

Lea Rieck: Ein Tag, der unschuldig und jung vor mir liegt und an dem ich machen kann, was ich gerne tue lässt mich sofort aus dem Bett springen. Seit ich wieder zurück bin mache ich auch beruflich viel von dem, was ich liebe, deswegen sind das inzwischen die meisten meiner Tage. Das fühlt sich an wie ein unglaublicher Luxus – aber es ist eben auch ein Luxus, den man sich erst erarbeitet und durch das Setzen von Prioritäten erhalten muss.

Was waren die größte Lektion, die du in deinem Leben gelernt hast?

Lea Rieck: Ich musste auf der Reise um die Welt anderen Menschen oft blind vertrauen um weiter machen zu können. Am Anfang bin ich sehr schwer gestürzt, war ohnmächtig und musste mir dann von zwei Männern bei der Reparatur des Motorrads helfen lassen. Als ich das nicht gleich alleine konnte bin ich mir sehr schwach vorgekommen, weil mein altes Leben ausgelegt war auf eine vollkommene Selbstständigkeit. Erst später habe ich verstanden, dass die größte Stärke ist, anderen zu vertrauen, seine eigenen Schwächen zuzugeben und Hilfe annehmen zu können. Gemeinsam kann man mutiger sein. Das ist außerdem meistens auch der beste Weg um schnell zu lernen.

Wenn du heute nicht die Lea Rieck geworden, die du heute bist, was würdest du stattdessen machen?

Lea Rieck: Ich wäre Ärztin geworden und würde in Krisengebieten bei Ärzte ohne Grenzen arbeiten.

THANK YOU LEA

Credit: Instagram Lea Rieck @lea_rieck

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