KAROLINA ROSINA

Gründerin von Take Me To The Lakes

Raus am Wochenende - Ein Reiseführer für die schönsten Seen und Geheimtipps deiner Umgebung

«Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?»

Das dachte nicht nur Goethe, sondern wahrscheinlich auch die Macher des Reiseführers „Take Me To The Lakes“, als sie ihr Buch über die schönsten Seen um Berlin zusammengestellt haben. Ursprünglich geplant als eine private Sammlung für ihre Freunde, die am Wochenende dem Berliner Stadttrubel entfliehen wollen, ist die liebevoll gestaltete Buchreihe mittlerweile um weitere Editionen für München, Hamburg und Nordrhein-Westfalen gewachsen. Wir haben mit Co-Gründerin Karolina Rosina (30) über den Trend zur nahegelegenen Naturverbundenheit gesprochen, die Suche nach Entschleunigung des Alltags und warum die Ausflüge auch ihr Umweltbewusstsein wachgerüttelt haben.

„Münchner reisen anders an ihre Seen als Berliner“

Hippe Reiseblogs und hauptberufliche Instagram-Urlauber beiseite, denn eure Ideen gibt es ausschließlich als gedrucktes Buch. Woher kam diese Entscheidung?

Karolina Rosina: Da es am Anfang nur für unsere Freunde geplant war, hatten wir nicht an ein Onlinemagazin gedacht. Aber dann sind wir mit der Sammlung schnell auf 300 Seiten gekommen und es war klar, dass wir das als Buch veröffentlichen wollen. Denn die Art des Reisens, wie wir die Seen erkundet haben, hatte auch etwas langsames. Wie Print im Vergleich zu digital eben auch. Nils Kraiczy, mit dem ich das Projekt gemeinsam umgesetzt habe, ist viel mit dem Fahrrad zu den Seen gefahren, ich habe manchmal das Auto oder die Bahn genommen. Und ich habe Design studiert und bin ein „Printkind“ - denn Editorial Design ist meine große Liebe und darum wollten wir ein Buch machen.

Take Me To The Lakes

HER STYLE

Als Designerin, was bedeutet guter Stil für dich?

Karolina Rosina: Authentizität. Das ist eine Grundregel, und der Rest kommt dann mit. Ich versuche mein eigenes Design meist schlicht zu halten. Reduktion und Minimalismus schaffen. Ich überlege immer, was man noch weglassen kann. Eine Frau, die mich inspiriert hat, ist Kristina Krogh. Sie beschäftigt sich viel mit Formen und deren Füllungen. Ihre Arbeit ist ästhetisch ausgewogen und inspiriert mich. Außerdem mag ich die Arbeiten Folch Studios, einer Agentur aus Barcelona, die auch viel im Druckbereich und Print machen.

HER MOVES

Wie habt es für euer erstes Buch geschafft über 50 Seen und einige der Hotels, die ihr im Buch empfehlt, zu besuchen?

Karolina Rosina: Das hat einen ganzen Sommer gedauert. Anfangs haben wir noch gemütlich einen ganzen Tag mit Freunden an einem See verbracht. Schnell wurde uns aber klar, dass wir so nicht weit kommen. Deswegen haben Nils und ich uns irgendwann aufgeteilt um bis zu drei oder vier Seen pro Tag abzufahren und zu fotografieren.

Dann warst du ab dann viel allein an den Seen unterwegs. Wie ging es dir dabei?

Karolina Rosina: Es hat etwas Beruhigendes, wenn man alleine rausfährt. Auch wenn man dann nicht den ganzen Tag am See bleibt, wie wenn man in Gesellschaft wäre. Man bleibt eine Stunde, nutzt diese aber effizient, macht Fotos und fährt dann weiter. Aber es geht nicht nur darum sich körperlich zu bewegen, sondern auch mich mit der Natur zu verbinden und sich selbst wahr zu nehmen.

Hast du einen Lieblingsee, zu dem man einen Ausflug planen sollte?

Karolina Rosina: In Berlin ist es der Sacrower See. Das ist eigentlich ein Klassiker mit türkisblauem Wasser. Aber dort gibt es versteckte Badestellen, die man nur durch einen Fußweg im Wald erreicht. In Hamburg ist es der Krebsee, der wie ein Juwel mitten im Wald liegt.

Mit welchem Auto hast du die Ausflüge gemacht?

Karolina Rosina: Am liebsten mit dem Cabrio meines Freundes. Nils ist viel mit seinem Berliner Rennrad gefahren und musste schnell feststellen, dass er für manche Strecken eher ein Mountainbike gebraucht hätte. Und das alte Cabrio macht tatsächlich nur im Sommer Spaß, im Winter ist es so kalt damit zu fahren, dass ich mir auch mal ein Handtuch über die Beine legen musste. Denn ich fahr auch gerne das ganze Jahr über an die Seen raus.

Für euer Buch bist du viel im Auto gesessen. Wie reist du am liebsten?

Karolina Rosina: Ich nutze das Flugzeug gerne, um an entfernte Orte zu kommen. Aber vor Ort, mag ich Autofahren am liebsten. Autofahren ist für mich das ultimative Gefühl von Freiheit. Wie in Kalifornien, als ich mit meinem Freund drei Wochen von Hotel zu Hotel gefahren bin.

HER WAY

Bei der vielen Zeit in der Natur, hast du auch gemerkt, dass du für die Themen Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein empfänglicher geworden bist?

Karolina Rosina: Klar, das Verständnis für die Seen und auch für die geologische Geschichte nimmt zu. Im Norden sind es viele eiszeitliche Seen, die vor 20.000 Jahren entstanden sind. Und auch in Bezug auf die Natur. Gerade im letzten Sommer waren viele Seen gekippt. Das liegt auch daran, dass die Leute sich die Sonnencreme auftragen und dann ins Wasser gehen. Ich habe das auch am Anfang gemacht. Inspiriert hat mich auch ein Buch von Jessica J. Lee, die das ganze Jahr in Seen schwimmen geht und darüber erzählt. Das und meine Erfahrung haben mich für mehr Umweltbewusstsein sensibilisiert. Ich will nicht jeden über Wasserqualität belehren, aber das ist auch ein Teil in unseren Büchern. Jetzt arbeiten wir mit „Where About Now“ zusammen, die Kunsttouren organisieren. Wir besuchen Künstler, die sich mit Wasser auseinandersetzen, und bringen das Thema so den Leuten näher.

Um euer Buch zu veröffentlichen, habt ihr einen eigenen Verlag gegründet, statt mit einem etablierten zusammen zu arbeiten. Warum?

Karolina Rosina: Als das Projekt begonnen hat, bin ich dafür von Hamburg nach Berlin gezogen, da es noch viel zeitintensiver gedacht war, als gedacht. Dann habe ich von unserem Lagerraum in Weissensee gearbeitet. Als es dann um die Produktion ging und wir dafür einen Batzen Geld in die Hand genommen haben, um die ersten Bücher zu drucken, haben wir auch beschlossen, dass wir das mit einem eigenen Verlag stemmen möchten und unser eigenes Vertriebsnetzwerk aufbauen möchten. Denn wenn man mit einem großen Verlag zusammenarbeitet um ein Projekt umzusetzen, gibt man viel Verantwortung ab. Und eins unserer Ziele war auch, organisch zu wachsen und Schritt für Schritt alles zu machen. Deswegen arbeiten wir auch im Moment nur mit Freelancern zusammen und haben keine Festangestellten, da wir so flexibel bleiben können und auch keine Kredite aufnehmen müssen, um ein festes Team zu haben.

Was war dein größter Wendepunkt in deinem Leben?

Karolina Rosina: Als die ersten Bestellungen für das Buch reingekommen sind. Da habe ich alle Zweifel abgelegt, die man davor oft hat.

Was würdest du rückblickend anders machen?

Karolina Rosina: Ich habe lernen müssen, dass man seine Kontakte und sein Netzwerk nutzt, wenn man nicht weiter kommt. Frauen fällt das meiner Meinung noch schwerer als Männern, dass man die eigenen Kontakte einfach anruft und um Hilfe bittet. Bei uns war es die Produktion, bei der wir einen Experten gebraucht haben und der uns am Ende bei unserem Problem gerettet hat. Das hätte ich viel früher machen sollen.

Warum glaubst du, ist so ein großer Wunsch nach Ruhe und dem Erkunden der nahen Umgebung da?

Karolina Rosina: Heute, wenn man alle Orte auf der Welt bereisen kann, ist es spannender, auch mal bewusst seine eigene Umgebung zu erkunden. Man bekommt ein anderes Gefühl für die Stadt, in der man lebt. Anscheinend haben wir da einen Nerv getroffen und nachdem sich der Guide in Berlin gut verkauft hat, haben wir es auf andere Städte erweitert.

Andere Seen, andere Sitten: Unterscheidet sich auch das Ausflugsverhalten der Berliner im Gegensatz zu dem der Münchner?

Karolina Rosina: Ja. Die Münchner haben mehr Elan dahinter, machen auch im Winter mehr Ausflüge, und setzen den Trip an den See eher um, wenn sie es sich vorgenommen hatten. Die Berliner haben zwar auch oft den Wunsch in die Natur zu gehen, aber bleiben dann am Ende doch meist in ihrem Kiez.

HER SELF

Was machst du um gesund und fit zu bleiben?

Karolina Rosina: Einen Spaziergang im Park. Bei uns ist direkt neben dem Büro der Volkspark Friedrichshain. Wenn ich den ganzen Tag nur gesessen habe, gehe ich dort hin. Ansonsten mache ich Yoga. Je nachdem wie stressig es ist, gehe ich zwei Mal die Woche ins Studio. Aber ich meditiere auch mit einer App. Da kann ich mir mein Thema aussuchen, je nachdem was mich gerade beschäftigt. Zum Beispiel vor dem Schlafengehen ein Nachtmeditation. Meine Schwester hat mir „Unplugged“ empfohlen, da liebe ich die Stimme von Davyji.

Was hast du für die Zukunft geplant?

Karolina Rosina: Neben dem Verlagsgeschäft, möchte ich mich mit designwissenschaftlichen Themen beschäftigen. Zum Beispiel, welche Rolle die Intuition in Kreativprozessen spielt. Darüber reden Grafiker und Designer untereinander nicht viel, über die kreative Dimension in ihren Abläufen. Da das eher im Stillen abläuft.

Hörst du auf deine Intuition?

Karolina Rosina: Ja. Ich höre immer mehr und besser darauf. Ich möchte vom Kopf ins Herz kommen. Wenn du ins Herz kommst, bist du bei deiner Intuition, und bei deiner inneren Stimme, auf die du dich verlassen kannst.

THANK YOU KAROLINA

Credit: The Gentle Temper, Thomas Heimann

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