NINA SKARABELA

Gründerin von OZN

"Ich verbringe sehr viel Zeit mit innerer Arbeit, das holt mich runter und ich brauche das für meinen Geist."

Nur weil man miteinander verheiratet ist, muss man als Paar nicht in einer Stadt wohnen? Und nur weil man Grafikdesign studiert hat, kann man nicht auch ein eigenes Nagellacklabel gegründet haben und als Psychotherapeutin arbeiten? Was klingt, als ob man mehrere Geschichten durcheinander gemischt hat, ist tatsächlich das Leben von Gründerin Nina Skarabela.

Im MOVES-Interview erzählt sie, wie es zu ihrem Lebensstil gekommen ist und warum genau dieser sie glücklich macht.

HER WAY

Wie hast du mit deinem Business gestartet?

Im Prinzip habe ich drei Jobs. Nach dem Abitur habe ich erst mal Grafikdesign studiert, weil ich von jeher Design und Kunst toll und spannend fand. Gleich nach dem Studium ging es für mich in die Selbständigkeit, tatsächlich war ich bis heute keinen Tag lang irgendwo fest angestellt. Diese Selbständigkeit hat mir auch ermöglicht, neben der Arbeit eine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie zu machen, weil ich schnell gemerkt habe, mein Hirn liegt brach wenn ich nur die ganze Zeit am Computer vor mich hin bastel. Das ist zwar schön, so kreativ zu arbeiten, aber in mir gab es einfach auch noch eine große Sehnsucht nach etwas anderem. Auch hier habe ich gleich nach der Ausbildung meine eigene kleine Praxis eröffnet. Allerdings auch mehr oder weniger zeitgleich ein Kind bekommen, daher war das dann gar nicht mehr so einfach und ich habe auch wieder mehr Grafik Jobs gemacht. Und mit einer Freundin eine eigene Firma gegründet, wir waren mit die ersten, die Nagelfolien in Deutschland bekannt gemacht haben. Hauptsächlich produzierten wir für andere Labels, unter anderem auch für L’Oréal. Diese erste Firma gibt es schon lange nicht mehr, jetzt habe ich seit ein paar Jahren zusammen mit meinem Geschäftspartner David mein Label OZN, auch wieder Beauty, auch wieder Nägel, wir machen veganen und schadstoffarmen Nagellack. Ich arbeite aber nach wie vor auch als Grafikerin, hauptsächlich Logo und Verpackungsdesign, beziehungsweise mache ich auch viel Consulting und berate Firmen aus dem Beautybereich. Und ich habe meine Praxis für Psychotherapie. Alles drei macht mir so wahnsinnig viel Spaß und bietet so viel Abwechslung, dass ich meine Arbeit eigentlich nur sehr selten wie Arbeit anfühlt.

Wer inspiriert dich oder wen siehst du als Vorbild?

Iris Apfel! Nicht nur weil sie mich sehr an meine Oma erinnert und weil ich mich auch sehr gerne auffällig und farbenfroh kleide, sondern weil sie unabhängig von der Meinung anderer ihr Ding durchgezogen hat. Man merkt, sie brennt für das, was sie tut und hat Spaß daran. Gerade hat sie im Alter von 97 Jahren eine Modelvertrag bei IMG unterschrieben. Ich werde mit 97 genau so aussehen, bunt und immer noch am Machen und Tun sein. Mein Mann bekommt schon immer die Krise, wenn ich ihm wieder von einer neuen Geschäftsidee erzähle!

IM PRINZIP HABE ICH DREI JOBS

Wie sieht dein Alltag aus, wenn du morgens aus dem Bett aufstehst bis zum ins Bett gehen?

Mein Leben ist während der Woche total langweilig, aber ich liebe das, weil ich echt viel wegarbeiten kann und null Stress habe. Wenn ich dann in Berlin bin oder mein Mann nach München kommt, dann sind wir die ganze Zeit unterwegs und treffen Freunde, gehen in Ausstellungen, zum Essen, geniessen die Zeit zusammen. Da muss ich dann auch kein schlechtes Gewissen haben wenn ich mal ein paar Tage nicht oder weniger arbeite.

Was waren die größten Herausforderungen, denen du dich stellen musstest, als du dein Business begonnen hast?

Am Anfang war es das Thema Geld. Ich habe nicht gewusst, wie viel ist meine Arbeit wert und war schnell verunsichert. Das hat sich komplett geändert, ich bin mir heute völlig im klaren darüber, was ich kann - und auch was ich nicht kann. Diese Sicherheit strahle ich glaube ich auch aus, weil es bezüglich meiner Preisvorstellungen heute gar keine Diskussionen mehr gibt. Früher war es für mich auch immer etwas merkwürdig, den Leuten zu sagen, was ich alles so mache. Ich habe dann meistens nur von einem Job erzählt. „Hä, wie passt denn das zusammen!?“ – eine typische Reaktion auf meine Antwort, wenn ich gefragt werde, was ich denn so beruflich mache. Ein Therapeut, der auch in Nagellack macht, das ist doch wie bei Helge Schneiders Film „Praxis Dr. Hasenbein“, als der Arzt auch Schuhe verkauft. Mittlerweile habe ich meine Haltung dazu komplett geändert und bin stolz auf meine Tätigkeiten. Wenn ein Mensch so wie ich unterschiedliche Interessen und Leidenschaften hat und damit auch noch Geld verdienen kann, dann ist es doch ein Segen und kein Fluch!

Wie wichtig ist Social Media für deinen Job?

Sehr wichtig! Ich kommuniziere zu 90 Prozent über Instagram mit meinen Kunden, also wir sprechen jetzt über OZN. Wenn wir ein neues Produkt haben oder irgendwelche Aktionen dann poste ich das. Einfacher und schneller gehts nicht. Das funktioniert natürlich auch so gut weil wir ein fotogenes schönes Produkt haben. Ich informiere mich auch fast ausschliesslich über Instagram über neue Trends und Marken, viele schwören da auch auf Pinterest, ich mag halt Instagram.

HER MOVES

Lässt dich dein Job viel reisen? Wenn ja, wohin?

Da ich ja zwischen München und Berlin pendle, weil mein Mann in Berlin lebt, bin ich gefühlt ohnehin die ganze Zeit unterwegs, Und wenn ich in Berlin bin dann verbinde ich das natürlich auch mit Geschäftlichem, ich treffe Kunden und Blogger und bin eigentlich die ganze Zeit nur in Meetings.

Und wohin und wie reist du privat? Welchen Ort auf der Welt würdest du gerne sehen?

Ich liebe Reisen über alles! Früher war ich am liebsten für ein paar Wochen und mit Rucksack unterwegs. Das konnte ich mir als Selbständige ja ganz gut einteilen, ich war wochenlang in Mexico, Los Angeles, Südafrika, Thailand oder Schweden. Das geht heute natürlich nicht mehr, mit Schulkind und auch die Priorität für den Job haben sich geändert. Für mich ist es jetzt sehr viel erholsamer, ein paar Tage Freunde in London zu besuchen oder mit meinem Mann und den Kids an den Gardasee zu fahren, da ist man in ein paar Stunden und ich kann meinen Laptop mitnehmen. Es gibt so viele Orte, die ich gerne bereisen würde oder noch mal sehen. Ganz oben auf der Liste steht Südafrika, am besten mit den Kindern. Und ich war tatsächlich noch nie in New York, das muss ich ebenfalls schnellstens ändern!

Wie bewegst du dich im Alltag fort? Und fährst du gerne selbst oder lässt dich lieber fahren?

Ich fahre für mein Leben gerne Fahrrad! Ich habe ein sehr schönes aber schwer zu tretendes schwedisches Militärfahrrad von Kronan. Damit fahre ich zu jedem Meeting, ich hasse die S-Bahn. Ausserdem hab ich dann gleich auch ein bißchen Sport gemacht. Mein Auto habe vor ein paar Jahren verkauft, ich leihe mir den Golf von meinen Eltern, wenn ich mal ein brauche, weil ich in München leider nicht im Drive Now-Gebiet wohne. In Berlin fahren wir auch nur Rad und eben Drive Now. Um nach Berlin zu kommen nutze ich die Mitfahrgelegenheit Bla Bla Car. Einfacher und günstiger kann man nicht von A nach B reisen. Und ich versuche, so selten wie möglich zu fliegen.

HER SELF

Wie kannst du dich entspannen? Und ist das in deinem Zuhause oder unterwegs oder in einem anderen Ort?

Ich verbringe sehr viel Zeit mit innerer Arbeit, das holt mich runter und ich brauche das für meinen Geist. Wenn ich nicht in Berlin bin oder mein Mann in München, dann ist Sonntag mein Lese-Tag. Ich schlage da zwei Fliegen mit einer Klappe, ich bilde mich mit meinen Sachbüchern weiter und gleichzeitig ist es gut für meine eigene Entwicklung. Ich geh auch sehr gerne spazieren, vor meiner Haustür ist gleich der Nymphenburger Park.

Gibt es etwas, das nur sehr wenige Leute über dich wissen?

Dass ich am liebsten allein bin. Darüber wundern sich immer alle, da ich sehr kommunikativ bin und Menschen an sich liebe! Auf der anderen Seite bin ich aber der totale Einsiedlerkrebs. Für mich gibt es nichts Schöneres als den ganzen Tag allein vor mich hin zu arbeiten und keinen Menschen zu sehen. Ich kann tagelang nicht vor die Tür gehen, ich sage immer, ich wäre ein super Häftling. Ich schöpfe auch nur richtig Kraft, wenn niemand um mich herum ist. Darum ist das Home Office auch so perfekt für mich.

HER STYLE

Wie würdest du deinen persönlichen Stil beschreiben?

Bunt, eigenwillig, mutig, more is more, less is shit, lieber overdressed als underdressed. Ich mag es wenn mich alle anschauen oder mich auf meinen Look ansprechen. Mein Mann sagt immer, ich bin eine morderne Pipi Langstrumpf. Ich liebe Mode über alles, damit kann man sich so wunderbar ausdrücken und einfach machen, was man will. Allerdings lege ich allerhöchsten Wert auf Qualität, ich kaufe nicht nur Designer Klamotten, auch günstig und ganz viel Second Hand, aber es muss alles super hochwertig sein. Wenn ich einen Stoff anfasse und der ist so glitschig oder aus Plastik, da bekomme ich sofort die Krise. So ist es auch bei Möbeln oder Gebrauchsgegenständen. Ich mag es hochwertig und langlebig.

Woher bekommst du deine Inspiration?

Bei mir geht schon sehr viel über die Optik, wenn ich schöne Dinge sehe, Kunst, aber vor allem schön verpackte Produkte. Dann überschlagen sich meine Gedanken und ich baue im Geiste alles, was ich sehe, zu etwas neuem zusammen. Ich kann stundenlang in Läden wie Goldhahn und Sampson in Berlin oder Liberty in London verbringen und dort die ganzen wunderschön gestalteten Verpackungen bestaunen. Schöne Dinge, also für meine Augen schön, liebevoll gestaltete Dinge, alles was mit Ästhetik zu tun hat, das ist mir sehr sehr wichtig. So sehr ich die therapeutische Arbeit liebe, so glücklich bin ich auch darüber, dass ich noch diesen anderen Bereich in meinem Leben habe, wo ich mich mit Kunst, Mode, Design und Beauty beschäftigen kann.

Wenn du heute nicht deinen Job hättest, was würdest du stattdessen machen?

Ich wäre Juristin. Mit eigenem Mode-Label.

THANK YOU NINA

Credit: Instagram @ozn_vegan, @mitvergnuegen_muenchen, @mangolds_wow, @bare_minds, @aennikin

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