ANITA TILLMANN

Gründerin - Premium Group

"Alles für die Mode und ihren Hauch von Silicon Valley"

Es hat alles in einem kahlen U-Bahnschacht angefangen. Dort wo Anita Tillmann vor 16 Jahren ihre erste Ausstellung in Berlin eröffnete. Damals, als die neueste Mode nicht nur einen schnellen Mausklick entfernt war und noch keiner daran geglaubt hat, dass Berlin als Modestandort überhaupt eines Tages jemanden interessieren wird.

Anita Tillmann

Wenn man heute einen Namen nennen sollte, der für diesen Wandel verantwortlich ist und Berlin zu der Modehauptstadt gemacht hat, die sie heute ist, trifft man auf Multitalent Anita Tillmann. Sie ist Gründerin der wichtigsten Modemessen in Deutschland, die fester Bestandteil der Szene sind, der kreative Kopf hinter einem Millionenunternehmen und Mutter von zwei Kindern. Auf dem Erfolg ausruhen? Nicht mit Tillmann. Sie investiert gerade zudem in vielversprechende, deutsche Start-Ups und hat große Pläne, die Messen international zu machen.

Was man über ihren Werdegang wissen sollte? Tillmann stammt eigentlich aus Düsseldorf, hat ein Diplom in Bekleidungstechnik und war in den neunziger Jahren durch die deutsche Modeszene nach Berlin gezogen, weil sie hier selbstständig in der Branche arbeiten wollte. Sie hat Marken wie JOOP!, Kathleen Madden, adidas und Mexx beraten, bis sie 2005 mit ihren einstigen Partnern den alten Dresdner Bahnhof mitten in der Stadt kaufte und diesen zur Messehalle ausbaute. Zwei Jahre später folgt ein weiterer Meilenstein: Tillmann initiierte, als Beraterin von IMG, die Berliner Fashion Week neu. Das war der Start der Premium Group und das Modeimperium ist seitdem weiter gewachsen: Seit einigen Jahren betreut Tillmann neben ihren Messen für zeitgenössische Mode, von der klassischen PREMIUM über die moderne SEEK bis hin zur trendigen SHOW&ORDER, und einigen Events nun auch eine eigene Konferenz. Die #FASHIONTECH dreht sich um die Digitalisierung der Mode. Vor ihrem Mikrofon stehen Personen aus der ganzen Welt - vom Silicon Valley, bis New York und Berlin - die viel erreicht und noch mehr zu sagen haben: Programmierer und Textilingenieure, Netzwerktechniker, große Investoren und Designer. Wie sie diesen Hauch von Silicon Valley nach Berlin gebracht hat und was sie über ihr Werk denkt, verrät Tillmann zwischen Backsteinhallen und Kleiderständern, bei einem Besuch in ihrem Berliner Industrie-Office.

HER WAY

Warum ist Berlin so wichtig für die Modebranche? Und bleibt dabei doch so anders?

Anita Tillmann: Berlin passt sich nicht an. Wir haben hier kein Establishment, wir haben hier auch keine traditionellen “Mode-Regeln”. Das erlaubt es uns offen und innovativ zu bleiben. Die großen Modemetropolen haben viele Schauen, in Berlin rücken diese immer weiter in den Hintergrund. Hier geht es mehr um die Mode und die Innovation, als um ein kurzes Aufleuchten auf dem Laufsteg. Im Bezug auf Fashion bewegt sich die gesamte „Wearable-Szene“ in Richtung „Smart Textiles“, also alles was neu entwickelt wird. Es dreht sich um unsichtbare Textilien, unsichtbare Technologien, die Entwicklung von Prototypen und wie man Textilien und Muster miteinander arbeiten lässt.

Wie kann man das verstehen?

Anita Tillmann: Das größte Potential liegt dabei in der Gesundheitsindustrie. In diesem Bereich kommen „Smart Wearables“ bereits zum Einsatz und werden da auch wirklich gebraucht. Aber auch für den Alltag wird diese Innovation wichtig sein. Die Zukunft in der Technologie entwickelt sich so schnell, exponentiell so hoch, sodass ich mir vorstellen kann, dass Roboter, virtuelle Realitäten und künstliche Intelligenz bald ein ganz alltäglicher Teil unserer Zukunft und der Mode sein könnten.

Berlin passt sich nicht an. Wir haben keine traditionellen Mode-Regeln.

Die Premium-Group, die Du gegründet hast, hast du vergangenes Jahr an einen britischen Investor verkauft, um weiter zu wachsen. Wie wichtig ist es aber auch im Privaten, einen Partner zu haben, der einen unterstützt?

Anita Tillmann: Da habe ich mit meinem Ehemann großes Glück. Zum Beispiel hatten wir gemeinsam die Idee zur „Fashiontech“, also zu der Innovationsmesse als Teil des Ganzen. Denn mein Mann und ich teilen die Interessen des anderen - meine Leidenschaft ist Mode und seine Digitalisierung und so machten wir uns Gedanken darüber, wie man diese beiden Welten miteinander verknüpfen könnte. Ich denke Berlin ist eine Bühne auf der alles zusammen kommt und vereint wird - die kreativen Menschen mit der Startup-Szene und deren Entwicklung. Wir wollten diese zwei Welten zusammenbringen.

HER SELF

Da wir gerade von Start-Ups sprechen, Du bist gerade selbst bei einem eingestiegen?

Anita Tillmann: Genau. In zwei um genau zu sein. Eins davon ist fernab von dem Messetrubel. Mit „veee.com“ machen wir eine digitale Plattform für Modefirmen aller Arten und Größen. Hier kann man sich die neuesten Trends anschauen, klicken und nach Hause bestellen. Es geht darum, dass man dort Geschichten erzählt, die der Marken und was ihre Kunden sich wünschen. Firmen können auf „Veee“ Profile anlegen, Marken, Trends und Produkte zeigen und das alles in Wort und Film. Außerdem haben wir gerade in AEYDE investiert, eine vielversprechende Schuhbrand aus Berlin, die digital angefangen hat und es trotzdem in die Top-Modestores schaffte.

Wie hat sich der Modemarkt in den letzten Jahren vor allem verändert?

Anita Tillmann: Es ist ein schwer umkämpfter Markt. Es geht längst nicht mehr nur um Schnitte und Stoffe, Stile und Trends. Es geht um Daten. Denn der Kauf des nächsten Kleides oder des nächsten Paars Schuhe ist nur einen Mausklick entfernt. Der Bildschirm des Smartphones ist das Kaufhaus-Schaufenster des 21. Jahrhunderts. Aber die Leute wollen mittlerweile wissen, woher ihre Produkte kommen. Man möchte sich informieren und das Interesse an nachhaltigen Materialen oder fair produzierten Produkten steigt, auch wenn hier noch viel Luft nach oben ist und ein Umdenken sich erst bei den Konsumenten durchsetzen muss.

Liest man ihre Vita, klingt alles nach Erfolg. Aber hast Du auch mal eine unschöne Lektion lernen müssen?

Anita Tillmann: Natürlich. Wir haben in den letzten 15 Jahren unglaublich viel bewegt. Auf diesem Weg habe ich gegen viele Widerstände kämpfen müssen und mir wurde wenig geschenkt. In dieser Zeit habe ich gelernt: Haters gonna hate und Erfolg löst nicht bei jedem Beifall aus. Das interessiert mich heute aber nicht mehr. Ich bin so weit gekommen mit der Art, wie ich bin. Jetzt mache ich auch genauso weiter.

SHOW&ORDER X PREMIUM

HER MOVES

Was sind die Pläne für die Zukunft, vor allem mit ihren Messen?

Anita Tillmann: Ich möchte expandieren. Je digitaler unsere Welt wird, umso wichtiger wird das menschliche Zusammenkommen und im selben Maß auch die Shows der PREMIUM GROUP. Unsere Stärke ist es, klare Konzepte auf Basis aktueller Marktbedürfnisse zu entwickeln. Wir konzentrieren uns auf Content, Commerce und Community. Menschen zur richtigen Zeit an den richtigen Touchpoints zu verbinden, davon profitiert das gesamte Netzwerk der Branche und das funktioniert überall. Face-to-face is powerful.

Bei so viel Arbeit, welches sind die Orte in Berlin, die sie zum Ausspannen bringen?

Tiergarten. Hier gehe ich spazieren, Biken oder auch zum "Eichhörnchen gucken" mit meinen Zwillingen und meinem Mann Ole.

Cowshed Spa. Dieser Spa ist Teil des Soho Houses an der Torstraße und damit feste Anlaufstelle für all meine Beauty-Treatments. Das Team dort ist extrem nett und ich liebe die herrlich duftenden Produkte von Cowshed.

Grill Royal. Das Restaurant an der Friedrichstraße ist wie mein zweites Wohnzimmer. Seit vielen Jahren treffe ich dort Freunde, auch ohne mich großartig verabreden zu müssen. Ich liebe die schöne Lage am Wasser und habe es von dort auch nicht weit bis nach Hause. Mein Favorit auf der Karte? Rinderfilet und Kopfsalat.

Crackers. Das Restaurant ist auch auf der Friedrichstrasse und bietet neben hervorragendem Essen sehr gute Cocktails an der Bar sowie sehr gute Musik von Berlin bekanntesten DJ’s.

Sammlung Boros. Ich liebe es dort zu einer der spannenden Führungen durch die Sammlung moderner Kunst zu gehen. Die Sammlung stammt vom Ehepaar Boros, das der Kunst in einem alten Bunker ein Zuhause gegeben hat. Eine beeindruckende Location. Und auch trotz der umfassenden Informationen während der Führung, kommt man hier komplett runter.

Galerie König. Jung, kreativ, international und definitiv the place to be. Die alte Kirche in Kreuzberg ist einzigartig und die Sammlung von ca 40 Künstlern zeitgenössischer Kunst, einem Mix aus jungen wilden und etablierten Künstlern wird immer wieder neu in Szene gesetzt.

FASHIONTECH
PREMIUM BERLIN

The Store. Ich verbringe viel Zeit im Soho House, weil man hier so vieles unter einem Dach findet. Besonders schätze ich jedoch den Concept Store, dessen Sortiment einzigartig in Berlin sei. Hier gehe ich nie ohne eine Tüte raus. Zuletzt mit einem Blazer von Blaze Milano. In der integrierten Kitchen kann man im Übrigen wunderbar arbeiten, Meetings abhalten und vor allem sehr gesund und gut essen.

KaDeWE. Gehört für mich zu Berlin wie das Brandenburger Tor. Es ist mondän, modern international und inspirierend. Dabei bin ich von der Designer Abteilung genauso angetan wie von der Foodabteilung oder von den Küchenutensilien.

Thank you Anita

Credit: OFFENBLENDE, Michael Wickmann

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