ANNETTE WEBER

Unternehmerin

„Meine Lektion fürs Leben: Nur die Besten werden kritisiert“

Annette Weber

Immer hohe Schuhe. Immer ausnahmslos gut angezogen. Neben ihrem eigenen Stil, brachte ihre souveräne Art des Auftretens den Vergleich mit der deutschen Anna Wintour ein. Annette Weber machte die deutsche InStyle erfolgreich, das Modemagazin wurde zum umsatzstärksten Modemagazin Deutschlands. Heute, nach ihrer Zeit als Chefredakteurin, ist ihr Leben ein anderes, die Leidenschaft zur Mode ist aber geblieben. Als Influencerin kann man Annette Weber täglich auf Instagram und ihrem Blog Glam-O-Meter verfolgen. Authentisch, humorvoll und mit ihrer Attitüde, die ihre Leser und heute ihre insgesamt mehr als 150.000 Follower schon seit InStyle-Zeiten fasziniert hat: Stets zu polarisieren und sich immer etwas mehr zu trauen als die anderen.

Denn anders als viele Mädchen bei Instagram, begeistert Annette „Netti“ Weber ihre Follower in einem Alter über 50. Wie ihr der Sprung vom gedruckten Magazin zur Onlinewelt gelungen ist? Was sie von der Influencer- und der Magazinwelt noch hält? Ein Gespräch mit Annette Weber, während sie ihre morgendliche Joggingrunde durch München läuft.

HER WAY

Auf Instagram läuft es offensichtlich sehr gut für dich. Wie war der Wandel von Print zu Digital?

Annette Weber: Sind wir ehrlich. Dieser Sprung war nicht freiwillig. Aber ich wurde schon als junges Mädchen bei den Fashion Weeks viel fotografiert, noch bevor es Social Media gab. Damals noch von Bill Cunningham. Als es dann mit dem Streetstyle und Instagram losging, wusste ich, dass man etwas damit tun musste. Also war meine Idee, unsere Redakteurinnen als Blogger zu installieren. Das Problem war, dass in den Verlagen noch die Meinung herrschte, dass die Marke wichtiger ist, als die einzelne Person. Als ich bei InStyle eine Streetstyle-Ausgabe machte, wurde mir mit Kündigung gedroht. Also dachte ich mir danach: Nun machst du das, von dem du ohnehin schon immer dachtest, dass es funktioniert. Aber der Sprung war gewaltig für mich. Davor hatte ich ein großes Team mit 50 Mitarbeiten und zwei Sekretärinnen bei InStyle. Dann gründest du eine Firma und packst auf einmal deine Päckchen selbst. Und fährst sie zur Post, weil deine Praktikantin, die du eingestellt hast, dir eröffnet, dass sie keinen Führerschein hat. Ich mache heute auf Instagram das, was ich immer gemacht habe. Ich kuratiere Mode. Der Inhalt ist der Gleiche. Nur statt auf Papier, lade ich es in eine App.

Du sagtest einmal, dass es wichtig sei, eine eigene Stimme in der Medienwelt zu haben. Bei InStyle gab es oft Lob, manchmal auch Kritik dafür. Wie hast du diesen Spirit in die Social Media-Welt übertragen?

Annette Weber: Dort ist es genau so wichtig. Es gibt wenige Frauen in meinem Alter auf Instagram. Es gibt ein paar nette Hausfrauen oder „Wohlfühl-Profile“, aber die kann man ja nicht ernst nehmen. Ich habe nicht nur einen anderen Look, sondern auch andere Texte. Mir ist die Branche wichtig, welche Trends entwickeln sich, wohin geht die Industrie.

Ich kuratiere Mode. Der Inhalt ist der Gleiche.

Und offensichtlich harte Arbeit. Jetzt ist es 7.30 Uhr und du bist schon laufen.

Annette Weber: Ich bin ein Early Bird. Spätestens ab 6 Uhr bin ich wach, dann starte ich mit Social Media. Ich bin wahnsinnig diszipliniert. Diese eiserne Disziplin habe ich früh gelernt, da ich Ballett getanzt habe. Da gab es harte Kritik. Aber meine Lektion fürs Leben ist, dass nur die Besten kritisiert werden. Das habe ich damals auch bei meinem Team so gehandhabt, denn Kritik ist etwas Positives.

Wie war der Start des Instagram-Accounts und deines Blogs für dich?

Annette Weber: Die Leute haben schlecht geredet, haben die Nase gerümpft. Und gesagt: Schau mal, was macht die da. Das hat mich wahnsinnig getroffen. Heute habe ich viele Follower und tolle Kunden und viele von meinen Fans, vor allem die internationalen, wissen gar nicht, dass ich einmal Chefredakteurin von InStyle war. Was vergangen ist, ist vergangen. Das Problem ist, wenn du erfolgreich bist, hast du immer Neider. Dann kommen neue Leute, die sich wichtig machen, und dich runterputzen.

Hast du nie daran gedacht aufzugeben?

Annette Weber: Ich war kurz davor. Ich dachte mir, warum lassen mich die Leute nicht in Ruhe? Denn InStyle war wie ein Kind für mich, eine Lebensleistung. Als ich schlechte Kommentare bekommen habe, habe ich mich bei Facebook abgemeldet. Danach hatte ich mir als Ziel gesetzt, wenn ich 10.000 Follower bei Instagram habe, mache ich weiter. Es ist immer das Gleiche wenn du fällst oder wenn dein Mann dich betrügt, wenn dir irgendetwas Blödes widerfährt. Danach aufstehen, mit erhobenem Haupt. Also bin ich erstmal zu Chanel shoppen gegangen, in München ins Brenner gegangen und saß da mit Stil und Eleganz. Heute werden wieder die roten Teppiche ausgerollt und jeder sagt: Ich wusste, dass Annette das macht und Erfolg hat.

Passend dazu, was sind die drei größten Lektionen, die du gelernt hast?

Annette Weber: Ich bin oft in meinem Leben ausgeflippt. Aber ich habe eine Gabe, dass ich in schwierigen Situationen immer elegant geblieben bin. Je größer das Arschloch, desto eleganter musst du bleiben. Außerdem ist mein zweiter Rat: Einfach Dinge machen und nicht zu viel nachdenken. Und meine dritte Lektion: Neider und Energiefresser aus deinem Leben streichen.

HER SELF

Wieviel Zeit verbringst du online?

Annette Weber: Zuviel.

Nimmst du dir manchmal auch bewusst eine Auszeit?

Annette Weber: Am Wochenende. Am liebsten sitze ich mit Ferrero-Produkten auf der Couch und schaue Fussball. Ich schaue mir auch Spielwiederholungen an. Das Spiel Champions League Bayern Dortmund habe ich schon hundert Mal geschaut, auch wenn das ein schlechtes Licht auf mich wirft (lacht).

HER MOVES

Andere Frauen gehen in den Spa oder zum Yoga. Und du schaust am liebsten Fussball?

Annette Weber: Wenn du viel mit optischen Reizen arbeitest, musst du irgendwann runterkommen. Denn als Influencer arbeitet man auch am Wochenende. Fussball entspannt mich. Oder wenn wir mit dem Rad an der Isar entlang fahren. Die schönste Strecke ist von Bogenhausen zur Waldwirtschaft nach Grosshesselohe.

Und wie sieht es bei dir mit dem Autofahren aus?

Annette Weber: Ohne Auto geht nichts. Ich fahre täglich Auto, ich muss die Klamottenberge und die Zeitschriften transportieren.

Welches Auto fährst du?

Annette Weber: Einen Mercedes. Selbstgekauft. Ich bin kein Influencermädel, das nur vorgibt, dass sie sich das selbst geleistet hätte. Ich weiß, was ein Werkstattbesuch kostet. (lacht)

Ohne Auto geht nichts. Ich fahre täglich Auto.

Hast du einen liebsten Reiseort?

Annette Weber: Seit meiner Jugend, reise ich immer nach Ibiza. Außerdem nach Venedig, wie jetzt zur Biennale. Und ich reise gern nach New York. Zu den Fashion Weeks geht es weiterhin dorthin, und nach Paris und Mailand. Ich bin immer noch viel unterwegs. Aber wenn du ein Schulkind zu Hause hast und es aufs Abitur zu geht, ist die Reiserei nicht zielführend. Ich genieße gerade, weniger zu reisen als früher. Dann bist du abends zu Hause, kannst mit deinem Kind Abendessen.

Aber wenn es doch mal sein muss: Auto, Zug oder Flug - wie reist du am liebsten?

Annette Weber: Fliegen hat heute nichts mehr Schönes. Dir wird vorgeführt, dass du nur eine Nummer bist. Wenn sie an der Security deine Marmelade wegschmeißen, denke ich mir: Ich bin eine katholische Mutter, keine Terroristin. Natürlich muss es für den Job sein, aber Fliegen hat nichts Elegantes mehr. Außerdem muss man nicht immer international reisen. Ich liebe meine Heimatstadt Speyer oder fahre gern an den Starnberger See. Man unterschätzt wie wunderschön unsere deutsche Heimat als Reiseziel ist.

Und es bringt einen vor allem in der verrückten Modebranche zurück auf den Boden, wenn man hin und wieder aufs Land fährt…

Annette Weber: Es ist ganz wichtig, dass man geerdet bleibt. Man darf nie vergessen, wo man herkommt.

Annettes wichtigste Apps:

Die Liste:
• Sky Go (Für Fussball und Fussball Sendungen; Zitat: „Ohne Sky Go könnte ich nicht überleben“)
• Uber („Um schnell von Termin zu Termin zu kommen“)
• Bild („Um immer informiert zu sein, da hast du alles in der App“)
• Instagram


Annettes wichtige Zeitschriften:

„Ich kaufe noch Magazine und Zeitungen, die lese ich in Ruhe am Wochenende“
• Die britische Vogue („Seitdem Edward Enninful Chefredakteur ist, ist das die Blaupause“)
• Die französische Vogue
• Deutsche Grazia („Da Jennifer Dixon dort Mitglied der Chefredaktion ist“)
• Handelsblatt („Wenn ich sie in die Hand bekomme, lese ich sie auch“)


Thank you Annette

Something's wrong! Click to reload this section