AMELY KUCHENBÄCKER

YLUMI-Gründerin

„Ich bin Verfechterin holistischer Ansätze und glaube an die Kraft der Natur“

Eigentlich ist sie Musikerin. Amely Kuchenbäcker singt, textet und hat früh gelernt Geige zu spielen. Sie ist das, was man durchaus als kreative Frau bezeichnen kann. Aber ihren Alltag verschreibt sie einem ganz anderem Thema: Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin hat spezielle Pulver und Kapseln entwickelt, die Abhilfe bei Stress, Müdigkeit und fahler Haut bringen sollen. Für wen das nach einem willkürlichen Kräutermix klingt, der liegt falsch. Denn die Businessidee kam Amely Kuchenbäcker, nachdem sie ihre eigene Krankheit überwunden hatte. Der Erfolg der Nahrungsergänzungsmittel ihrer Marke YLUMI gibt ihr recht. Denn mittlerweile sind ihre Produkte in großen Parfümerien in ganz Deutschland erhältlich. Magazine und Beauty-Blogger lieben ihre Kapseln und Pulver, die man sich morgens in den Smoothie mischen oder einfach einnehmen kann.

Ihre Vision hinter den Produkten, warum sie sich bewusst gegen fremde Investoren in ihrem Unternehmen entschieden hat und wie sie mit Leuten umgeht, die schlecht über sie reden, verrät die Gründerin im Interview.

HER WAY

Wie kam Dir die Idee zu deinem Business?

Amely Kuchenbäcker: Vor fünf Jahren hatte ich starke gesundheitliche Probleme, musste längere Zeit Kortison nehmen und konnte mich nicht mehr richtig bewegen. Meine Mutter ist Ärztin, sie hat mich damals zu sich genommen und mich zu einem TCM-Arzt (Anm. Arzt für „Traditionelle Chinesische Medizin“) gebracht. Nach der Akupunktur hat er mir eine Kräutermischung aus Vitalpilzen verschrieben. Bis dahin hatte ich nie Kontakt mit traditioneller Medizin und habe nicht wirklich dran geglaubt - als Schulmedizinertochter ist man wohl besonders kritisch eingestellt. Die Teemischung hat sehr bitter geschmeckt, ich habe mich aber überwunden sie jeden Tag einzunehmen. Nach einiger Zeit habe ich gemerkt, dass die Schwellungen zurück gingen und ich mich wirklich besser fühle. Für mich ein Game Changer. Ich wollte wissen, wie diese Vitalpilze wirken und mich nach einem Ergänzungsmittel aus Deutschland umgeschaut. Ich habe jedoch kein Produkt gefunden, welches geprüfte Wirkstoffe enthält, vegan, ohne Gluten und Soja und in Deutschland hergestellt ist. Denn das war mir besonders wichtig.

Aber es gibt doch bereits einige Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt. Warum hast Du dir gedacht, dass es ausgerechnet YLUMI zusätzlich braucht?

Amely Kuchenbäcker: Ich wollte anfangs nur ein Produkt für mich selber finden und auch anderen den Zugang zu geprüften Kräutern und Vitalpilzen ermöglichen. In den USA gibt es einiges und man kann sich viel im Internet bestellen, bei dem man aber nie weiß, was man bekommt. Ich habe jedoch kein Produkt aus geprüften Adaptogenen, Vitalpilzen, traditionellen Kräutern und Vitaminen gefunden, welches auf natürlicher Basis und ohne Konservierungsstoffe ist und in Deutschland hergestellt wird. Außerdem sah auch optisch nichts ansprechend aus. Ich habe also angefangen mit TCM-Experten und Nahrungswissenschaftlern zu sprechen und mit Laboren für die richtige Mischung zusammenzuarbeiten.

Du hast einige Wirkstoffe in YLUMI vereint. Wie oft musst Du dir als Kritik anhören, dass alles nur ein Placebo-Effekt sei?

Amely Kuchenbäcker: Eigentlich nicht oft. Denn unsere Intention war, ein Ergänzungsmittel mit geprüften Stoffen anzubieten, welches Menschen dabei hilft, wieder in die eigene Balance zu finden und die TCM so auch ein Stück weit von ihrem etwas angestaubten Image zu befreien. Wir sagen nicht, dass sich das ganze Leben ändert, wenn man es einnimmt, sondern möchten eine Alternative mit holistischem Ansatz bieten. Es ist also eine Ergänzung zum Alltag. Die Produkte können je nach Wirkungsrichtung das Immunsystem stärken oder stressreduzierend wirken, aber es ist kein Medizinprodukt. Natürlich gibt es auch Menschen, bei denen es weniger wirkt, aber wir haben meist tolles Feedback. Allgemein finde ich, dass Placebo auch etwas Gutes hat. Denn wenn jemand etwas einnimmt, daran glaubt und es hilft, dann ist das doch toll.

Apropos schlecht reden und negative Erfahrungen. Was war eine Sache, die Du in deiner Zeit als Unternehmerin lernen musstest?

Amely Kuchenbäcker: Nicht so viel über alles nachdenken und positiv bleiben. Ich versuche mich möglichst nur mit positiven Menschen zu umgeben und trenne mich auch von Leuten, die es nicht ehrlich meinen. Wir sind doch auf der Welt, um uns gegenseitig zu supporten und upzuliften.

Hast Du dich in Bezug auf dein Business bereits von Leuten trennen müssen?

Amely Kuchenbäcker: Na klar, das kommt vor. Anfangs war beispielsweise eine Freundin von mir bei YLUMI mit dabei. Als wir gewachsen sind, brauchten wir für den Online-Bereich, den sie als Quereinsteigerin betreut hat, einen Profi. Das war dann ein beidseitiges Einverständnis, dass wir uns trennen mussten. Ansonsten arbeite ich eng mit einem kleinen Team sowie meinem Bruder zusammen, der von Düsseldorf aus die finanzielle Seite betreut. Dafür bin ich sehr dankbar, denn ich bin mehr der kreative Teil. Ich bin keine richtige BWLerin, das Finanzielle liegt mir nicht wirklich.

Dadurch, dass YLUMI immer bekannter wird und in immer mehr Shops erhältlich ist, musst Du nun auch mehr reisen. Welche spannenden Persönlichkeiten hast du getroffen oder welche Begegnungen hast du gemacht, für die du dankbar bist?

Amely Kuchenbäcker: Definitiv Frau Dr. Scharfenberg, mit der ich viel über die medizinischen Aspekte sprechen kann und wir haben auch ein Event hier zusammen in Berlin gemacht. Oder Katrin Roth, eine Bloggerin aus der Schweiz oder Lisa Scharf, Organic Make-Up-Artist aus Hamburg, mit denen mittlerweile Freundschaften entstanden sind. Ich mag es gerne, wenn Frauen sich gegenseitig unterstützen. Sehr bald ziehen wir hier in Berlin auch in neue Räumlichkeiten, was dann ein richtiges Frauenpower-Büro ist.

Woher kam der Erfolg vom YLUMI? Social Media oder persönliche Empfehlung?

Amely Kuchenbäcker: Wir hatten glücklicherweise von Anfang an ein paar Blogger, die unbezahlt unsere Produkte gepostet haben, weil sie die Produkte schön und interessant fanden. Außerdem läuft natürlich viel über klassische Mund-zu-Mund-Propaganda, wenn YLUMI von Leuten empfohlen wird. Technologie und Social Media war aber auf jeden Fall maßgeblich für den Erfolg.

HER MOVES

Wie bewegst du dich im Alltag fort? Hast du ein eigenes Auto?

Amely Kuchenbäcker: Hauptsächlich mit S- und U-Bahn und im Sommer fahre ich am liebsten mit dem Fahrrad durch Berlin. Mein Freund hat ein Auto, einen Mercedes E190 Oldtimer, aber ich fahre nicht oft Auto. Ich hatte vor einigen Jahren mal einen Unfall, seitdem meide ich das Autofahren ehrlich gesagt etwas. Aber den Oldtimer meines Freundes mag ich gerne, ich bin auch mit einem alten VW-Bus und einem altem Volvo aufgewachsen. Und wenn ich heute VW-Bus sehe, muss ich immer lächeln. Trotzdem möchte ich selbst momentan noch kein eigenes Auto haben.

YLUMI BEAUTY KAPSELN 36.00 EUR

Und wenn du gerade mal nicht in Berlin oder beruflich unterwegs warst, ist dir eine andere Reise besonders im Gedächtnis geblieben?

Amely Kuchenbäcker: Wir haben mit der Familie und einem Van mal eine Reise von der West- zur Ostküste der USA gemacht. Außerdem fahren wir jedes Jahr mit der Familie in ein Haus nach Südfrankreich. Da sind wir 16 Leute, meine Geschwister bringen ihre Kinder mit und das ist immer eine wichtige Auszeit für mich. Da freue ich mich drauf.

Familie steht bei dir also im Vordergrund. Wie haben du und dein Bruder mit eurem Business gestartet? Habt ihr euch Investoren ins Boot geholt?

Amely Kuchenbäcker: Nein, wir haben das von Anfang an selber privat getragen. Wir haben auch keinen Existenzgründerzuschuss beantragt, was ich im Nachhinein vielleicht anders machen würde. Wir hatten zwar Angebote von Investoren, haben uns aber bewusst dagegen entschieden, worüber ich heute sehr glücklich bin. Am Anfang wurden wir mit unserer Businessidee oft belächelt, das Thema Nahrungsergänzungsmittel ist in Deutschland ja noch nicht wirklich positiv behaftet und auch, dass wir einen anderen Weg gehen wollten, haben viele Investoren nicht verstanden. Heute sind wir froh darüber, denn bei anderen Start-Ups haben wir jetzt gesehen, wie schief das gehen kann, wenn Investoren mit dabei sind.

Hast du mit deiner Idee vor den Investoren oft erfahren, dass Du als Frau anders behandelt wurdest?

Amely Kuchenbäcker: Ja, schon. Denn Investoren sind oft sehr Tech-lastig und wir haben öfter zu hören bekommen, dass wir noch eine App machen müssen etc. Viele haben nicht verstanden, dass bei uns wirklich das Wohl der Menschen im Vordergrund steht. Es ist eine sehr männerdominierte Szene. Es wird zwar propagiert, dass Frauenpower wichtig ist, aber in dem Bereich ist alles noch sehr männergesteuert.

HER SELF

Wenn du nicht YLUMI gegründet hättest, wo wärst du dann heute?

Amely Kuchenbäcker: In der Musik. Ich habe ein Team, mit dem ich Musik produziere, hätte gerade eine Single herausgebracht und schreibe auch für andere. Wenn YLUMI nicht passiert wäre, hätte ich mich darauf fokussiert. Und heute ist es etwas, das mich runterbringt. Tagsüber YLUMI und abends dann Musik. Viel Freizeit habe ich im Moment also gerade nicht, aber da es beides meine Leidenschaften sind, ist das auch ok.

Fehlt dir dann nicht etwas?

Amely Kuchenbäcker: Eigentlich nicht. Ich vermisse meine Familie manchmal und habe auch bei einigen Freundschaften aussortieren müssen. Denn meine Priorität im Leben ist momentan auf jeden Fall YLUMI und Musik. Ich glaube aber auch, dass das abschnittsweise bedingt ist, dass sich manche Wege also trennen und andere wiederfinden, wenn man weniger Zeit hat und andere Dinge im Vordergrund stehen.

Wie hältst du dich fit und gesund?

Amely Kuchenbäcker: Ich bin niemand, der in einem Fitnessstudio Gewichte stemmt. Durch meine rheumatische Erkrankung bin ich zum Yoga gekommen. Denn damals wurde mir ans Herz gelegt, dass ich etwas für meinen Ausgleich und Balance tun muss. Mittlerweile mache ich jeden zweiten Tag Jivamukti, vor allem wenn ich den ganzen Tag sitze ist das für mich ein wichtiger Ausgleich.

Und mental, besonders in stressigen Phasen?

Amely Kuchenbäcker: Yoga hilft mir auch mental, ich kann Dinge aber auch ganz gut verdrängen. Früher habe ich Kritik dafür bekommen, heute finde ich, dass es ein großer Vorteil für mich ist. Außerdem meditiere ich gerne, zum Beispiel mit der App Headspace. Denn in richtig stressigen und angespannten Phasen, vergisst man ansonsten, was einem gut tut.

HER STYLE

Wahrscheinlich auch, da YLUMI neben der Wirkung, auch ein ansprechendes, gutes Design hat. Was bedeutet guter Stil für dich?

Amely Kuchenbäcker: Ich komme aus einem sehr bunten Haushalt mit vielen Kindern. Meine Mutter ist Ärztin und mein Vater war auch immer berufstätig. Deswegen war bei uns immer Chaos angesagt :) Mein eigener Geschmack ist ordnungsliebend, ich und auch mein Bruder mögen ein klares Design. Deswegen sieht YLUMI wohl auch so aus. Wir wollten ein schönes Design ohne viel Schnickschnack.

Wie sieht dein eigener Stil aus, ist der ebenfalls reduziert?

Amely Kuchenbäcker: Ich hatte früher Phasen, als ich BWL studiert habe, in denen ich klassischer angezogen war und auch mal Blusen getragen habe. Heute ist mein Stil viel bunt gemischter, ich trage viele „Layers“. Auf jeden Fall mag ich es, wenn die Farben aufeinander abgestimmt sind. Ich kann meinen Stil aber schwer in eine Schublade stecken.

Gab es ein Teil, in das du investiert hast? Zum Beispiel mit deinem ersten Gehalt?

Amely Kuchenbäcker: Wofür ich lieber Geld ausgebe und mir immer wieder leiste, sind Reisen. Seitdem ich 19 Jahre alt bin, zieht es mich immer wieder ins Ausland, vor allem nach Asien. Ich gebe weniger viel Geld für Mode aus. Aber wenn ich in Marken investiere, dann setze ich auf Qualität und kaufe auch gerne Second Hand ein. Wie zum Beispiel einen Vintage-Beutel von Louis Vuitton, den ich mir ersteigert habe. Das erste Designerstück, in das ich investiert habe, war ein Vitra-Stuhl. Ich mag schöne Möbel - und Schmuck! Vor allem den Schmuck meiner Mutter und meiner Oma, den sie an mich weitervererbt haben. Große Ringe, große Ketten. Das finde ich toll.

Als letzte Frage, was ist dein Tipp an Gründerinnen, die es Dir gleichtun wollen?

Amely Kuchenbäcker: Den Markt genau zu analysieren und dann weniger vom eigenen Geschmack auszugehen, sondern wirklich schauen, was der Kunde will. Anfangs haben wir Pulver hergestellt, aber dann schnell gemerkt, dass nicht jeder morgens Zeit hat, sich einen Smoothie zu machen. Deswegen gibt es jetzt YLUMI nun auch in Kapseln. Das hätten wir schon früher bedenken sollen. Man sollte also von seinem eigenen Vorlieben nicht immer auf andere schließen. Und: bei allem muss das Herz dabei sein, ich glaube das ist die wichtigste Lektion.

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