PEGGY GOU

DJane

„Keiner sagt mehr DJane zu mir“

Peggy Gou ist eine energiegeladene Kreative, Musikerin und Weltreisende. Ihr Sound lässt sich nicht mit einem klassischen DJ-Genre beschreiben, sondern liegt irgendwo zwischen Techno, House, Disco und Afro-House. Es klingt nach einem gut gelaunten Underground-Clubs in Detroit, Chicago oder Berlin - wo sie auch derzeit lebt. Dass sie sich in der männerdominierten DJ-Szene durchzusetzen kann, hat die gebürtige Südkoreanerin seit Jahren bewiesen. Heute setzt sie sich mit ihrer Musik darum auch für die Gleichberechtigung der Frauen ein, indem Peggy Gou mit einer eigens dafür zusammengestellten Platte die Initiative „HeForShe“ von UN Women unterstützt.

Denn Peggy Gou verbrachte zwar ihre Teenagerjahren in London, kommt aber ursprünglich aus dem konservativen Korea. Erst in England lernte sie Englisch und verbrachte ihr Studium dort am London College of Fashion. Es folgt ein Job als Stylistin und hat sich in der Modeszene, einer anderen hartumkämpften Branche, einen Namen als Redakteurin beim Magazin Harpers Bazaar gemacht. Aber von der vielfältigen Club-Szene Londons angezogen, wurde Peggy Gous Liebe für die Mode allmählich durch den Wunsch, hauptberuflich mit Musik ihr Geld zu verdienen, abgelöst und sie traf eine der wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens.

Ein Interview mit der 29-jährigen DJ über ihren Neustart als Musikerin in Berlin, wie sie ihre Stimmung in tristen Städten und nach dunklen Clubnächten aufheitert und warum gerade sie sich in der Szene durchsetzen konnte.

HER WAY

Was liebst du an der Musikszene? Was treibt dich an?

Peggy Gou: Ich liebe es, mich selbst herauszufordern, dass ich zeitlose Musik mache. Ich möchte Musik machen, die die Menschen im Jahr 2030 noch hören werden. Auch mag ich sehr, dass sich jetzt immer mehr weibliche Künstlerinnen durchsetzen. Ich finde es wichtig, dass die Musik und so viele DJs wie möglich aus verschiedenen Hintergründen, mit verschiedenen Herkünften und Gesellschaftsschichten kommt. Deswegen war mir auch das Projekt von UN Women so wichtig.

So wie dein Hintergrund eigentlich in Modewelt gewesen ist. Wann war der Moment oder der Wendepunkt, als du wusstest, dass du dich für die Musik entscheidest?

Peggy Gou: In mir drinnen, wusste ich immer, dass ich das tun sollte. Und rückblickend, bin ich der festen Überzeugung, dass es mein Schicksal war. Denn als mir eigentlich bereits klar war, dass ich hauptberuflich Musik machen wollte, war ich bereits auf der Modeschule eingeschrieben. Auch wenn ich fühlte, dass ich es eigentlich nicht wollte. Ich war die ganze Zeit im Studio und ging nur zum Unterricht, um später nach Hause zu kommen und dann Musik zu machen. Obwohl ich keine Zeit hatte und eigentlich Arbeiten für die Modeschule machen sollte. Wenn ich Musik machte, hörte mich sagen: „Bin ich das gerade, die gerade diese Sounds macht?“. Denn mir gefiel, was ich konnte und was ich gemischt habe. Als ich dann den Schritt rausgewagt hab, anderen meine Musik gezeigt habe und das gute Feedback auch beim Auflegen in Clubs bekommen habe, musste ich mir eingestehen, dass die Musik das ist, was ich wirklich machen will. Das würde ich auch allen Frauen empfehlen, denen es so geht. Wenn du eine Leidenschaft hast, dann gehe der nach. Egal was der Lebenslauf dir eigentlich vorschreibt oder wie unwahrscheinlich eine Karriere im ersten Moment wirken mag.

Besonders in Berlin ist die Konkurrenz an DJs groß. Magst du es oder hattest du manchmal Angst, dass du ein unbekanntes Gesicht hinter den Turntables bleibst?

Peggy Gou: Ich bin extra aus London nach Berlin gezogen, weil es dort eine andere, vielfältigere Mischung an DJs und Musikrichtungen als in UK gibt. Am Anfang zweifelte ich natürlich, ob die Leute wegen mir und meiner Musik kommen, oder ob sie einfach nur in dem Club sein wollen, in dem ich gerade auflegte. Aber dann wurde mir klar, wenn die Leute Spaß haben, dann reicht mir das. Ich muss niemandem etwas beweisen und das ist vor allem etwas, was ich in meiner Zeit in Berlin entdeckt habe. So lebe ich jetzt und Musik ist das, was ich weiterhin tun werde. Egal, ob ich eine von vielen bin. Denn wenn du gut in etwas bist und viel harte Arbeit reinsteckst, kommt das mit dem berühmt werden von alleine.

HER SELF

SHOP SNEAKER NIKE

Als DJ und Producer siehst du viele Orte auf der Welt. Gibt es einen bestimmten, an dem du Kraft tanken kannst?

Peggy Gou: Bali. Wenn man so lange in London oder Berlin lebt, vermisst man die Sonne. Die Welt, die ich in Europa sehe, ist ziemlich düster. Alles dreht sich um Arbeit und Druck. Für mich ist Bali eine entspannte, farbenfrohe Seite der Welt - damit meine ich, dass ich hierher komme, um Stress loszulassen, den ganzen Druck, die Arbeit zu vergessen. Bali ist voll von positiver Energie. Ich mache das mehrmals pro Jahr, dass ich dort hin fahre. Auch wenn es nur eine Woche ist, kehre ich danach mit einem klareren Blick auf die Dinge nach Hause zurück.

Du lebst seit drei Jahren in Berlin. Wie war der Umzug in die Stadt für dich? Hast du unterschätzt, wie schwierig ein Neuanfang sein kann?

Peggy Gou: Definitiv. Das erste Jahr in Berlin war für mich sehr schwierig. Ich bin im November dorthin gezogen. Es war dunkel, es war kalt, es war niemand draußen. Du spielst in einem noch dunkleren Club, und die Tage sind trist. Alle meine Freunde waren nicht in der Stadt, also habe ich nur die Zeit für mich genutzt und Musik gemacht. Ich habe die „Art of War EP“ danach rausbringen können. Wenn ich in Berlin bin, ist das meine Basis, und obwohl es sich wie ein Zuhause anfühlt, reise ich auch viel, dass ich bei jeder schlechten Stimmung oder traurigem Moment weiß, dass ich bald wieder unterwegs sein werde. Für mich ist Berlin also der Ort, an dem ich Musik mache und mich ausruhe. Es ist wirklich cool, es gibt keine Konkurrenz oder böses Blut - also musikalisch schon, aber nicht auf der zwischenmenschlichen Ebene - deswegen fühle mich dort immer sehr wohl.

Besonders als DJ lebt man in Extremen. Immer nachts arbeiten, immer neue, noch coolere Tracks veröffentlichen und viel reisen. Wie kommst du mit dem Erfolg und dem Druck zurecht?

Peggy Gou: Viele Leute fragen mich, wie es ist, so erfolgreich zu sein, und ich sage: "Wovon redest du? Ich habe gerade erst angefangen." Es wird noch mehr kommen, mehr, was ich zeigen will. Ich bekomme viel Druck, wie zum Beispiel beim Spielen vor einer großen Menge oder beim Kreieren neuer Musik. Aber dieser Druck bedeutet, dass du dich sorgst. Wenn er nicht da wär, wäre ich auch heute nicht dort wo ich bin. Ich brauche diesen Druck, um weiterzumachen.

MACAN TEST RIDE?

Wie bleibt man gesund, wenn man jeden Abend so spät Auftritte hat?

Peggy Gou: Ein DJ sagte mal in einem Interview: "Wenn du ein DJ sein willst, vergiss das Schlafen!" Früher habe ich Gin und Tonic Water getrunken. Jetzt habe ich auf Ingwer-Shots und Kokoswasser umgestellt. Außerdem sollten wir asiatischen Kids eh nur ein oder zwei Gin mit Tonic trinken.

Warum glaubst du, dass gerade du dich in der sonst sehr männerdominierten DJ-Szene durchsetzen konnte?

Peggy Gou: Anfangs dachte ich, dass ich mich ein bisschen männlicher verhalten musste. Auch wenn ich nicht mehr in der Mode arbeite, habe ich zum Beispiel nur noch Jeans und Shirt getragen, da ich nicht auf das Modepüppchen reduziert werden und seriöser wirken wollte. Aber es ist wie mit der Musik: Sei du selbst und mache, was dir gefällt. Wenn Leute zu deinen Auftritten kommen, dann wirst du schon was richtig gemacht haben. Deswegen kannst du auch anziehen was du willst, und ich hatte schon immer meinen sehr bunten Style. Damals in Korea bereits, ich wollte schon immer auffallen. Mode ist ein Teil von mir und es macht mich glücklich, dass ich so aussehen kann, wie ich will. Wenn man dieses Selbstbewusstsein auch auf seinen Job überträgt, dann kann man sich überall durchsetzen. Ich denke, dass wir auf einem sehr, sehr guten Weg sind. Es gibt viele sehr gute weibliche Nachwuchs-DJs und mittlerweile viel mehr Gleichberechtigung. Allein das Wort „DJane“ ist überholt. Dass das niemand mehr sagt, ist schon ein sehr gutes Zeichen. Und meine ersten Unterstützer waren auch Männer. Es waren Virgil Abloh und Davide de Giglio, die mich auf einem meiner Auftritte in London angesprochen und mich in der Musikszene voran gebracht haben.

HER MOVES

Wenn du mal in Berlin bist, wie bewegst du dich fort?

Peggy Gou: Mit meinen Platten will ich nicht U-Bahn fahren. Weißt du, was die wert sind? (lacht) Ich habe mich daran gewöhnen müssen, in Berlin Auto zu fahren. Da ich in UK meinen Führerschein gemacht habe und auf der falschen Seite fahre. Deswegen nehme ich gerne auch mal Uber oder fahre mit dem Taxi. Auch nach einer langen Nacht beim Auflegen in einem Club gibt es nichts besseres, als sich von jemandem nach Hause und direkt vor die Haustür fahren zu lassen. Aber unterwegs zu sein, bedeutet für mich auch Freiheit. Deshalb genieße ich es auch sehr, wenn ich mal selbst mit dem Auto fahren kann und unabhängig bin.

Welches Auto fährst du?

Peggy Gou: Ich fahre einen Porsche Macan. Ich liebe dieses Auto, weil es sich super fährt, sportlich, aber gleichzeitig auch sehr praktisch im Alltag. Das Design von Porsche ist einfach einzigartig und deshalb genieße ich jede Sekunde in meinem Auto.

Und wenn es um das internationale Reisen geht, was bevorzugst du da?

Peggy Gou: Um ehrlich zu sein, ist die Zeit im Flugzeug nur ein notwendiges Übel für mich. Es ist der schnellste Weg, um für mich um von Gig zu Gig zu kommen. Aber so wie andere Leute sagen, dass sie die Zeit nutzen, währenddessen arbeiten oder sich entspannen können: Ich kann das nicht. Ich kann ja keine Musik im Flieger machen. Deswegen kaufe ich mir nach wie vor Unmengen von Magazinen, die ich meistens doch nicht schaffe zu lesen. Denn meist schlafe ich ein, da ich oft direkt nach einem Auftritt in den Flieger steige.

Was ist eine Sache, die wenige Leute über dich wissen?

Peggy Gou: Eine lustige Sache, ist auf jeden Fall meine Liebe zu Giraffen. Aber da ich das auf Instagram poste, ist es wahrscheinlich kein Geheimnis. Wahrscheinlich wissen nicht viele, dass ich vor jedem Auftritt fünf Minuten in Stille bete. Nur für mich selbst in meinem Hotelzimmer.

THANK YOU PEGGY

Credit: Peggy Gou Instagram @peggygou

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