CATHARINA VAN DELDEN

Innosabi-Gründerin

"Was mich motiviert, ist meine Neugier auf Neues“

Sie ist eine der einflussreichsten Frauen der deutschen IT-Branche. Catharina van Delden hat innosabi gegründet, den führenden Anbieter von Software für Ideen- und Innovationsmanagement Software. Ihr Arbeitsweg hatte ursprünglich mit einem Marketingjob beim Lampenhersteller Osram angefangen, heute ist sie nicht nur das jüngste Präsidiumsmitglied des Digital-Bundesverbandes Bitkom, sondern hat mit drei weiteren Gründern eines der innovativsten SaaS-Unternehmen der deutschen Unternehmerwelt aufgebaut. Was sich hinter ihrer Gründeridee verbirgt? „Agile Innovation“ heißt, dass in Unternehmen nicht nur ein einzelnes Team an einer neuen Idee arbeitet, sondern dass eine Online-Community – die aus Mitarbeitern, Kunden oder kreativen Köpfen weltweit bestehen kann – ihre Ideen über eine Plattform in das Projekt einbringen können und so Innovationszyklen verkürzt werden.

MOVES hat die 34-Jährige in ihrem Münchner Büro getroffen und mit ihr über die ersten Erfolgsmomente, Scheitern und den Mut zum Umdenken gesprochen.

HER WAY

Was waren deine bisherigen Erfolge im Leben?

Catharina van Delden: Wenn man von außen auf meinen Lebenslauf schaut, dann sieht man in erster Linie berufliche Erfolge. Sei es die Gründung, die Firma, große Termine ­– wie der Austausch mit der Kanzlerin – oder Partnerschaften und der Umzug in unser neues Büro. Natürlich auch die Position bei der Bitkom, als ich Schatzmeisterin geworden bin. Vieles von dem fühlt sich im ersten Moment großartig an, aber nicht so sehr wie ein riesengroßer und endgültiger Erfolg. Viel mehr ist es nur ein nächster Schritt, um dahin zu kommen, wohin man eigentlich will. Um unser Ziel zu erreichen. Denn Erfolg verbindet man ja auch mit „angekommen sein“ und das habe ich tatsächlich bisher sehr selten empfunden. Diese Unzufriedenheit mit dem Status Quo zeichnet meiner Meinung nach einen Gründer aus: Dass man immer weiterkommen und noch nicht dort stehen bleiben will, wo man gerade ist.

Du hast diese Momente selten. Aber kannst du dennoch einen nennen, in dem es sich so angefühlt hat?

Catharina van Delden: Einer der aktuelleren Erfolgsmomente ist, dass ich auf der großen Bühne der HUB-Konferenz sprechen durfte. Auf einem Event dieser Größenordnung eine so prominente Rolle zu haben, dass das Netzwerk sagt, das ist eine Story, die wir hören möchten: Das ist toll. Für mich persönlich ist es wichtig, einen Weg gefunden zu haben, wie ich dieses immense Arbeitspensum bewältigen kann und dabei ausgeglichen, ruhig und gesund bleibe. Ich starte mit dem guten Gefühl in die Woche: Ich habe zwar eine vollgepackten Kalender, aber dennoch schlafe ich gut, bin fit und mache meine Aufgaben gut. Erfolg ist für mich viel mehr ein mentaler Zustand. Und wenn ich merke, dass ich solche großen Aufgaben in Ruhe meistern kann und gleichzeitig stark sein kann, dann ist das ein Erfolg für mich.

Wann war der Punkt, an dem du gesagt hast: Das mit innosabi, das könnte etwas werden?

Catharina van Delden: Wenn wir nicht von Anfang an das Gefühl gehabt hätten, dass es etwas werden könnte, dann hätten wir wahrscheinlich nicht bis heute durchgehalten. Ich habe letztens auf die Anfangszeit zurückgeschaut, in der wir kaum Umsatz gemacht haben. Im Rückblick denke ich mir heute manchmal: Wie konnten wir damals denken, dass es überhaupt Sinn macht, die Idee weiter zu verfolgen? Doch wir hatten immer wieder Erfolgsmomente, Momente, in denen Menschen uns signalisiert haben, dass sie an uns und unsere Idee glauben – und das hat uns motiviert, unser Produkt und Geschäftsmodell, ja eigentlich die ganze Firma immer wieder weiter zu entwickeln, zu lernen. Und das ist auch heute noch unsere Philosophie: „Always in beta“.

Was war ein Durchbruch für euch? Vielleicht auch erst im Nachhinein betrachtet?

Catharina van Delden: Wir haben uns schon immer stark durch die Zusammenarbeit mit unseren Kunden weiterentwickelt. In diesem Kontext gab es 2 Momente, im Start-Up Jargon würde man die „Pivots“ nennen, die uns einen großen Schwung gegeben haben. Der erste große solcher Momente war, als ein Kunde die erste langfristige Lizenz bei uns gekauft hat, also unsere Software nicht mehr nur für eine zeitlich begrenzte Innovations-Kampagne genutzt hat, sondern offene Kollaboration mit dem Ökosystem als strategisch wichtiges Element langfristig in seinem Innovationsprozess eingesetzt hat.
Der zweite große „Durchbruchsmoment“ ist noch gar nicht so lange her – wir haben realisiert, dass die meisten unserer Kunden nach einiger Zeit mehrere Instanzen unserer Plattform für veschiedene Use Cases einsetzen und darüber hinaus hunderte Initiativen zu Digital- und Innovationsstrategie einsetzen. Deswegen haben wir mit innosabi Galaxy den „One-Stop-Shop for Innovation“ entwickelt, der all diese Daten und Initiativen durch KI zugänglich macht – und zwar für jeden in der Organisation.

Gab es auch Momente, in denen etwas schiefgelaufen ist?

Catharina van Delden: Den Tiefpunkt, den wir vier Gründer hatten, war, als wir mit potenziellen Investoren gesprochen haben und uns dazu haben verleiten lassen, unser Geschäftsmodell so zu verändern, dass wir ein guter Investment Case geworden wären. Was aber leider komplett am Markt und den Bedürfnissen unserer Kunden vorbei gegangen ist und uns so in ernsthafte Schwierigkeiten gebracht hat. In dem Moment haben wir uns in die Augen geschaut und gesagt, dass wir jetzt alles machen, um Geld in die Kasse zu bringen. Wir haben aufgehört, Weltherrschaftspläne zu schmieden, sondern entschieden, dass wir uns auf die kleinen Schritte konzentrieren. Also haben wir uns darauf fokussiert, unser Produkt ausschließlich auf die Interessen unserer Kunden abzustimmen.

HER MOVES

Was bewegt dich in deinem Leben?

Catharina van Delden: Was mich motiviert, ist meine Neugier auf Neues. Das zieht sich durch meinen kompletten Lebenslauf. Ich habe viel Zeit im Ausland verbracht, habe in den USA studiert und in Indien und Argentinien gearbeitet. Ich habe eine Neugier für neue Kulturen, neue Menschen und eben auch neue Technologien und neue Geschäftsmodelle – was auch zur Gründung der Firma geführt hat. Das war schon immer so: New is always better.

Bahn, Flugzeug oder Auto: Wie reist du am liebsten?

Catharina van Delden: Wann immer es möglich ist, reise ich mit der Bahn. Dabei kann ich die Zeit nutzen – sei es um zu schlafen oder zu arbeiten. Beim Fliegen verliert man viel Zeit durch den Security Check oder um Koffer aufzugeben. Das ist mir zu nervig und macht meiner Meinung nach nur für Langstrecken Sinn.

Was ist dein Lieblingsauto und warum?

Catharina van Delden: Ich fahre nicht gerne Auto und habe auch noch nie ein eigenes Auto besessen. In der Stadt fahre ich grundsätzlich mit meinem roten Fahrrad und wenn es sich nicht vermeiden lässt, mit dem Auto zu fahren, nutze ich Car-Sharing. Deswegen kann ich auch kein Lieblingsauto nennen. Vielleicht ein Kart oder Autoscooter-Auto: Denn abseits der Straße macht mir das Fahren schon Spaß.

HER STYLE

Wie würdest du dein zu Hause beschreiben?

Catharina van Delden: Mein Zuhause sind in erster Linie Menschen. Ich bin ein wahnsinniger Familienmensch und habe sehr enge Freundschaften. Ich fühle mich dort zu Hause, wo die Menschen mir das Gefühl geben, zu Hause zu sein.

HER SELF

Wenn du mit einer Person tauschen könntest, mit wem und wann?

Catharina van Delden: Es gibt eine argentinische Saga, in der es um einen Gaucho geht, der entspannt unter einem Baum sitzt und auf seine drei Kühe aufpasst. Dann kommt ein Geschäftsmann, der ihm sagt, dass er ihm einen Kredit geben würde, sodass er noch mehr Kühe besitzen und sein Geschäft wachsen könne. Daraufhin entgegnet der Gaucho: Warum sollte ich das machen? Daraufhin entgegnet der Geschäftsmann: Damit du so viel Erfolg durch die Rinderzucht hast, dass du dich endlich mal unter einem Baum setzen und nichts tun kannst. Ich würde gerne mit dem Menschen tauschen, der es schafft, die Welt so gelassen zu sehen und Prioritäten zu setzen, wie es diese Sage impliziert.

THANK YOU CATHARINA

Credit: Catharina van Delden

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